Pfingstausfahrt 2019 nach Dangast

Eigentlich sollte alles ganz anders sein. Wir, drei befreundete Skipper und ich, wollten das lange Pfingstwochenende ursprünglich nach Wangerooge fahren. Alles war darauf ausgerichtet. Doch dann kam pünktlich zu Samstag vor Pfingsten ein Starkwindfeld herangerauscht, das alle Planungen über den Haufen warf.

Was tun? Der Samstag war als Törntag ein Totalausfall. Zu stark wehte der Wind gegen den Tidenstrom, so dass die Jade mal wieder „kochte“. Ein Hafentag war unausweichlich. Kurzerhand griff Christian sich sein Skateboard und einen Lenkdrachen, und wir gingen gemeinsam mit seiner Familie auf den Deich vom Südstrand. Der Wind war stark genug, dass Christian vom Drachen gezogen auf dem Skateboard ordentlich Fahrt aufnahm, wie auf diesem Video gut zu sehen:

Pfingstsonntag versprach gut zu werden. Kurzerhand disponierten wir um, und wählten Dangast als neues Ziel. Dangast ist ein kleiner Tidenhafen im Südwesten des Jadebusens, der durch ein bepricktes Fahrwasser erreichbar ist.

Die Segelyacht Gitano auf dem Weg nach Dangast.

Die Seeschleuse von Wilhelmshaven wollte uns mittags um 13 Uhr ausschleusen. Die Kaiser-Wilhelm-Brücke macht eine halbe Stunde vorher auf. Also legten wir am Sonntag um 12.15 Uhr ab und fuhren mit vier Booten (Sky, Gitano, Unicorn und Molly) durch die geöffnete KW-Brücke in Richtung Seeschleuse. Der auf Molly in der vergangenen Saison eingebaute Autopilot machte schon hier gute Arbeit. Ich konnte, natürlich immer ein Auge auf dem Wasser, in Ruhe die Fender und Leinen für das Anlegen in der Schleuse klarieren.

Das Schleusentor stand ebenfalls bereits offen, so dass wir direkt einfahren konnten. Das Anlegen klappte jedoch wegen Seitenwind, der Molly von der Pier weg drückte, erst beim zweiten Anlauf, und mit Hilfe von Maja und Christian, die vorausfahrend bereits in der Schleuse fest gemacht hatten. Das Schleusen selber ging zügig, da es keinen großen Wasserhöhenunterschied auszugleichen galt. So motorten wir anschließend aus dem Hafen und nahmen Kurs auf das Dangaster Fahrwasser.

Die Anfahrt auf Dangast führt auf einem Prickenweg durch das Wattenmeer des Jadebusens.

Am Beginn der Pricken stellten wir fest, dass wir etwas früh dort waren. Um zu vermeiden, dass wir mangels Tiefe im Fahrwasser fest kamen, fuhren wir nun langsam weiter. Für mich war es das erste Mal, dass ich einen Prickenweg befuhr. Ich hielt mich immer schön an den Pricken auf der Steuerbordseite, merkte aber dennoch, dass ich zwei Mal in den Schlick geriet und dadurch Fahrt verlor. Allerdings kam ich jedes Mal direkt wieder frei und konnte die Fahrt fortsetzen.

Ausgerechnet an der engsten Kurve des Fahrwassers kam uns das Ausflugsschiff „Etta von Dangast“ entgegen. Wir stoppten vor der Kurve auf und ließen das Passagierschiff passieren, was uns einen freundlichen Gruß mit dem Horn zukommen ließ. Dann fuhren wir ohne weitere Zwischenstopps in den Hafen ein.

Der Hafen von Dangast

Mitglieder des dort ansässigen Yachtclubs zeigten uns freundlich freie Liegeboxen, die wir nutzen konnten. Dennoch kam kurz nach dem Festmachen der eigentliche „Besitzer“ meiner nicht als „besetzt“ markierten Box mit seinem Boot zurück. Er schaute sich jedoch kurzerhand nach einer anderen Liegemöglichkeit um, so dass ich dort liegen bleiben konnte. 

Nach dem Festmachen stand zunächst der Gang zum Hafenmeister an, der uns freundlich empfing, die Formalitäten rasch erledigte und sich dann auch noch als Besitzer eines Arminia-Bielefeld-Läufers outete. So mach Ankommen Spaß!

Der Rest des Tages ging mit einem Besuch des „Fischturms“ im Hafen, und Volleyball spielen am Sandstrand zu Ende. Am Dangaster „Fischturm“, das ist kein Geheimnis, gibt es die wohl leckersten Fischbrötchen an der Jade. Die frischen, cross gebackenen Brötchen, mit Salat und Zwiebeln angereichert, und mit frischem Fisch belegt, sind einfach ein Muss bei jedem Besuch von Dangast!

Abendhimmel über Dangast

Für den Abend konnten wir den wetterfesten Pavillon auf der Steganlage nutzen, während unsere Boote langsam im Schlick einsanken. Bei den 1,25 Meter Tiefgang von Molly kein Problem.

Die Nacht war zunächst ungewöhnlich ruhig. Kein Wellenschlagen an der Bordwand, kein Schaukeln des Schiffs. Im Laufe der Nacht, bei aufkommender Flut änderte sich das. Molly war wieder in ihrem Element. 

Wir hatten uns am Abend vorher auf 8 Uhr zum Ablegen verabredet. Um 7.30 Uhr tauchte dann aber überraschend die Gitano bereits am Heck von Molly auf. Auch die Sky hatte bereits los gemacht und drängte wegen des ablaufenden Wassers zu Abfahrt. Ich, und auch die Besatzung der Unicorn waren überrascht, und mit unseren Vorbereitungen eigentlich noch gar nicht zum Ablegen bereit.

Dennoch machten wir so rasch wie möglich los und begaben uns dann gemeinsam auf die Rückfahrt in Richtung Wilhelmshaven. Der Prickenweg war frei. Wir nahmen mehr Fahrt auf, als auf dem Hinweg. So erreichten wir relativ rasch das Ende der Pricken und kamen in tiefes Fahrwasser.

Hier nahm jedoch die Welle rasch zu und es begann ein Tanz auf dem Wasser. Den ursprünglichen Gedanken, einen Segeltag auf der Jade zu verbringen, verwarfen wir rasch, zumal die Gitano erneut Motorprobleme bekam. Bereits in der vergangenen Saison hatte sie einen Motorausfall wegen Dieselpest und Gerd musste Tank und Leitungen mühsam reinigen. Nun also wieder mehrere Motoraussetzer. Dennoch schaffte sie es aus eigener Kraft in den Vorhafen und wir schleusten gemeinsam ein und machten anschließend am Heimatsteg der Marina Cramer fest. 

Während unseres Ausflugs nach Dangast erfuhren wir, dass es auf Wangerooge, unserem eigentlichen Ziel, zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen war. Der Fährverkehr war eingestellt, ein SEK der Polizei war zu einer Festnahme auf die Insel gebracht worden. Da fühlten wir uns im kleinen, beschaulichen Dangast doch gleich noch einmal so wohl!

Das war unser diesjähriger Pfingstausflug, der kürzer als geplant ausfiel. Für mich war es aber die erste Fahrt durch ein bepricktes Fahrwasser, die erste kleine Grundberührung in einem Fahrwasser, sowie das erste Trockenfallen mit Molly in einem Tidenhafen. Genug Premieren für ein verlängertes Wochenende, finde ich.

 

Pfingsten 2018 – Segelausflug nach Hooksiel – Teil 2

Der nächste Morgen brach an. Ich machte mir eine ordentliche Kanne Kaffee und genoss die frühen Stunden. Zeit, das gestern Erlebte noch einmal gedanklich einzuordnen.

Die Fahrt bis Hooksiel war wegen fehlendem Wind relativ unspektakulär. Das Anlaufen des Hafens stellt aber schon gewisse Ansprüche an das Auge des Skippers. Vor der Hafeneinfahrt liegt die grüne Tonne H3. Diese muss nahebei passiert werden. Und dann sollte man sich an den Peilmarken in der Hafeneinfahrt orientieren. Diese werden aber gerne mal von einem davor liegenden Fischkutter verdeckt, quasi unsichtbar gemacht. Also muss man sich andere Landmarken suchen. Denn der Tidenstrom versetzt das Boot bei der Anfahrt zum Hafen schon ganz ordentlich, so dass man großzügig vorhalten muss, um nicht im Schlick zu landen. Das ließ sich aber ganz gut meistern.

Die zweite Herausforderung nach der Schleuse war dann der für mich noch unbekannte Dalbensteg. In Mollys Heimathafen, der Marina Cramer, liege ich an einem Fingersteg. Das Festmachen dort läuft inzwischen schon ganz gut. Bei einer Box mit Dalben gibt es halt ein paar für mich neue Dinge zu beachten.

In der Vorbereitung auf diesen Törn habe ich mir von Guido Dwersteg das Video „Einhand- und Manöver-Tipps mit Guido Dwersteg“ angesehen. Darin zeigt Guido sehr anschaulich, wie die wichtigsten Manöver im Hafen, aber auch draußen, einhand bewältigt werden können. Da war es mir auch die paar Penunsen wert, den kompletten Film von segelfilme.de herunter zu laden. Es lohnt sich in meinen Augen.

Wenn dann allerdings der Moment des Anlegens da ist, ist eben doch alles irgendwie anders. Da war es gut, dass kurz vor mir genau auf der Gegenseite meiner freien Box ein anders Boot festgemacht hatte, und der Skipper sofort Zeichen gab, dass er mir helfen wollte. Ich hatte mir schon in der Schleuse alle Leinen bereitgelegt, und war somit gut vorbereitet. Langsam drehte ich den Bug von Molly in die freie Box und warf dann zunächst die luvseitige Achterleine über den Dalben. Dann konnte ich bei vorwärts eingekuppeltem Motor Molly punktgenau bis vor den Steg in die Box einfahren lassen, wobei ich die Achterleine kontrolliert fierte. Der freundliche Skipper am Steg konnte dann die bereitgelegten Bugleinen vom Bugkorb nehmen und das Boot am Steg festmachen. Nun hatte ich allerdings im Eifer des Gefechts noch keine Heckleine über denn Lee-Dalben gelegt. Das galt es nun nachzuholen. Aber schon der erste Wurf passte. Man muss halt auch mal Glück haben. Molly war fest.

Pfingstsonntag stand dann ganz im Zeichen des „Landgangs“. In Hooksiel waren Heringstage, ein Fest, das sich über den historischen Hafen und die Geschäftsstraßen des kleinen Hafenortes erstreckte. Leider waren die Fischbrötchen dort alles andere als erstklassig. Ein Matjes, lieblos mit ein paar Zwiebelringen aber ohne Salat zwischen zwei Milchbrötchenhälften eingeklemmt, haute uns nicht vom Hocker. Da gingen wir lieber zum nächsten Italiener und ließen uns einen riesigen Eisbecher schmecken.

Dann ging es über einen kurzen nochmaligen Abstecher zum Alten Hafen wieder zurück zu unseren Booten. Am nächsten Morgen mussten wir wieder zeitig aufstehen, da wir die erste Schleusung um 9 Uhr erwischen mussten. Andernfalls wäre die Moby Dick mit ihren 1,60 Meter Tiefgang bei fallendem Wasser nicht mehr durch die Schleuse durchgekommen. Aber es funktionierte perfekt. Wir legten alle gemeinsam ab und fuhren dann in Richtung Schleuse. Bei solchen Fahrten vermisse ich oft einen Autopiloten, der es mir ermöglichen würde, eine gewisse Strecke das Steuer alleine zu lassen, um z. B. Festmacher vorzubereiten oder Segel klar zu machen. Aber das ist eines meiner nächsten Projekte.

Um 9.15 Uhr verließen wir die Schleuse und motorten aus dem Hafen. Wie beim Einlaufen war auch heute die Tonne H3 unser erster Anlaufpunkt. Danach fuhren wir weiter, an der Ölbrücke vorbei, quer über das Jade-Fahrwasser und dann gegen den Ebbstrom bis zur Einfahrt zur Kaiserbalje. Denn dort wollten wir ankern und das Kippen der Tiede abwarten. Alle, außer der Gitano, erledigten diese Fahrt unter Motor. Wir erreichten die Kaiserbalje um 10.45 Uhr und ließen unsere Anker in ausreichendem Abstand zueinander fallen. Auch dieses Manöver war für mich eine Premiere. Den Anker hatte ich noch am Vorabend an die Kette geschäkelt und an der Ankerrolle am Bug befestigt.

Ich spürte, wie der Anker in die Tiefe zog. Als der Anker am Grund angekommen war, ließ ich noch reichlich Leine und befestigte sie dann an der dafür vorgesehenen Klampe am Bug. Nun wartete ich noch eine Zeitlang und beobachtete Landmarken um festzustellen, ob der Anker hält. Als ich mir dessen sicher war, stoppte ich den Motor und eine wunderbare Stille breitete sich aus. Auch die anderen beiden Boote, Moby Dick und Sky, waren inzwischen fest vor Anker und hatten die Maschinen gestoppt.

Nun war Zeit. Zeit, den Ankerball zu hissen, Wind zu messen, Logbuch zu schreiben, etwas zu trinken, etwas zu essen, faul im Cockpit zu sitzen und die Umgebung zu beobachten. Dann kam auch die Gitano am Ankerplatz an. Gerd barg die Segel und fuhr sein Ankermanöver ebenfalls unter Motor. Jetzt fehlte ein Dingi, mit dem man die anderen Ankerlieger hätte besuchen können. Hinüberschwimmen war wegen des Tidenstroms zu gefährlich. Also blieb jeder dort, wo er war.

Bald merkten wir, wie die Boote sich scheinbar gegeneinander verschoben. Die Tiede begann zu kippen. Da wir alle nur einen Anker ausgebracht hatten, mussten wir nun aufpassen, ob er sich in der neuen Stromrichtung auch wieder ordentlich eingrub. Bei mir klappte das nicht ganz so gut, so dass ich der Gitano gefährlich nahekam. Also startete ich den Motor, holte den Anker teilweise ein und verholte Molly an eine etwas entferntere Stelle, wo ich den Anker erneut fallen ließ.

Bald danach war für uns die Zeit des Aufbruchs gekommen. Alle gingen wir Anker auf und hissten die Segel. Es begann der schöne Teil des Tages. Bei durchweg 4 bis 5 Windstärken hatten wir richtig Spaß. Wobei wir natürlich in Richtung Wilhelmshaven segelten. Dabei mussten wir wiederholt kreuzen, da der Wind uns bei SSO auf der Nase stand. Aber das schult, und die Wenden liefen mit jedem Mal besser.

Bald gesellte sich dann auch die Solveig, eine Ketsch, die ebenfalls in der Marina Cramer in WHV liegt, zu uns. Es wurden gegenseitig Fotos gemacht und hinterher ausgetauscht. Als dann der Schleusentermin näher kam, barg ich die Segel und lief unter Motor in den Vorhafen ein. Dort drehten schon einige Boote ihre Warterunden, bis die Schleusenkammer geöffnet wurde.

Der Rest war nun schon Routine: Festmachen, den anderen Booten helfen, den Schleusengang abwarten, losmachen und gemeinsam in Richtung Kaiser-Wilhelm-Brücke fahren, die pünktlich öffnete. Auch das Festmachen am heimatlichen Finger verlief dank der Hilfe meiner Nachbarlieger ohne Probleme.

Ein wirklich schönes und für mich spannendes Pfingstwochenende ging zu Ende. Was mir blieb, war Molly ordentlich fest zu machen, meine Sachen wieder von Bord ins Auto zu bringen und schließlich ohne Stau (!) nach Hause zu fahren.

Auf Wiedersehen, bis zum „Wochenende an der Jade“.

 

Pfingsten 2018 – Segelausflug nach Hooksiel – Teil 1

Irgendwie ist das Auto doch immer wieder voll. Obwohl ich mir jedes Mal schwöre, beim nächsten Mal nur noch eine Tasche mit dem Nötigsten mit zu nehmen. Aber egal. Es ist nun mal so. Und so musste ich mir, als ich nach erstaunlich glatter Fahrt, mit nur einem Stau wegen eines Unfalls, in Wilhelmshaven ankam, erst einmal den Bollerwagen der Marina schnappen, und das ganze Gelumpe aufs Boot bringen. Alles musste verstaut werden, denn am nächsten Morgen sollte es schon los gehen.

Gesagt, getan. Dabei blieb auch immer noch genug Zeit für einen Schnack mit den Freunden, die morgen ebenfalls in Richtung Hooksiel starten wollten und fas zeitgleich in der Marina eintrudelten. Da waren Gerd und seine Partnerin auf SY Gitano , sowie Uwe mit Frau und Tochter auf der Motoryacht Sky und nicht zuletzt Christian mit seiner Moby Dick.

Das Aufstehen am nächsten Morgen wurde durch die Öffnungszeit der KW-Brücke bestimmt. Sie öffnet um 8.30 Uhr. Daran gekoppelt, 15 Minuten später, öffnet die Seeschleuse. Oder besser: … sollte sie öffnen. Nicht so dieses Mal. Aber der Reihe nach. Um kurz nach acht Uhr starteten wir unsere Motoren, um sie warm laufen zu lassen. Um viertel nach Acht hieß es dann „Leinen los“.

Das rückwärts vom Finger ablegen muss ich wirklich noch üben. Jedes Mal macht Molly zunächst, was sie will. Und das ist nicht das, was ich mir so vorstelle. Da muss ich wirklich noch dran arbeiten. Aber letztlich kam ich ohne Schrammen vom Finger weg und legte Kurs auf die KW-Brücke, die dann auch pünktlich für uns öffnete. Doch dann begann eine elendig lange Wartezeit vor der Seeschleuse. Erst eine dreiviertel Stunde nach der eigentlichen Zeit öffnete sich das riesige Schleusentor und wir durften in die Kammer einlaufen. So kam es, dass wir schließlich mit gut einer Stunde Verspätung aus dem Vorhafen in die Jade ausliefen. Dadurch hatten wir auch eine Stunde weniger mitlaufende Strömung als ursprünglich eingeplant.

Die Sonne schien ohne Wolken über der Jade. Die Windverhältnisse waren jedoch bescheiden. 2 bis 3 Windstärken im Maximum konnten uns nicht wirklich begeistern. Christian, der das erste Mal mit seiner komplett überholten Moby Dick unter Segel fahren wollte, versuchte es am längsten, ohne Motor Strecke zu machen. Schließlich, als die Tiede gekippt war, und die Flut uns entgegenkam, schmiss auch er den Jockel an und wir mussten den Hebel auf den Tisch legen, um die anderen beiden Boote, Gerd mit seiner Gitano und Uwe mit dem Motorboot Sky, einzuholen. Gerd war fast von Beginn an unter Motor vorausgefahren.

Schließlich holten wir sie an der Öl-Brücke vor Hooksiel ein und liefen dann gemeinsam in den Hooksieler Außenhafen ein, wo wir im Päckchen festmachten um die Schleusung klar zu machen. Als die Formalitäten abgehandelt waren, war gerade noch Zeit für ein Fischbrötchen auf die Hand. Dann machten wir los und warteten auf die Öffnung der Schleuse. Und dann begann mit den anderen, ebenfalls wartenden Booten ein Geschiebe und Gedrängel vor dem Tor, dass nicht wirklich Spaß machte. Molly sollte ohne Schrammen bleiben. Und so ließ ich mich zurückfallen und fuhr schließlich als vorletztes Boot in die Kammer und konnte stressfrei fest machen. Man sollte da Nummern ziehen, wie an der Fleischtheke!

Christian hingegen, mit seiner Moby Dick, hatte etwas mehr Action. Beim Versuch, das hinter ihm liegende Schiff, die Cape diem gemeinsam mit dessen Skipperin vor dem Auflaufen zu hindern, brachten sich beide in die Gefahr, zusammen in der Schleusenkammer schwimmen zu gehen. Sie verhakte sich dabei mit einem Fuß unter einem Kreuzpoller, übte beim Versuch, nicht ins Wasser zu fallen, immer mehr Druck auf Christian aus, der sich dann schließlich einen dicken Holzsplitter in den Fuß rammte. Den bemerkte er zunächst gar nicht, später zog er ihn aber mit einer Pinzette – manche Augenzeugen sprachen auch von einer Rohrzange – selber heraus. Da die beteiligte Seglerin mit ihrem Schiff ebenfalls genau an unserem Gastlieger-Steg fest machte, entwickelte sich daraus ein Running Gag, bei der die Behandlung der Wunde mittels „Einlauf“ das ganze Wochenende immer wieder in neuen Facetten diskutiert wurde.

Es war ein für mich durchaus spannender Tag. Da war das Anlaufen meines ersten fremden Hafens, das erste Schleusen in einer Kammer, so eng wie eine Sardinenbüchse, das erste Mal festmachen an einem Dalbensteg. Und das alles einhand! All das war schon ein wenig aufregend. Da war es schön, als der erste Tag schließlich mit einem gemeinsamen Grillen in der Nähe der Steganlagen fröhlich zu Ende ging.

 

Waschen, Polieren, Versiegeln – Zweiter Teil!

Das Projekt „Bootspflege“ ging direkt nach Ostern in die zweite und abschließende Runde, denn am Samstag nach Ostern war der Kran bestellt. Molly sollte zurück in ihr Element.

Mit einer starken Erkältung gesundheitlich angeschlagen, fuhr ich am Dienstagvormittag wieder nach Wilhelmshaven und begann sogleich mit der Fortsetzung der Reinigung des Gelcoats. Dies machte ich mit der Poliermaschine und einem Schwammpad mit Mikrofaserüberzug, das ich immer wieder mit etwas Super-GFK-Reiniger von Yachticon tränkte. Mit niedriger Geschwindigkeit führte ich die Maschine in überlappenden Bahnen mehrfach über den Rumpf und spülte anschließend alles mit Waschbürste und Klarwasser aus dem Schlauch gründlich ab. Grünbelag und auch die ein oder andere Vergilbung war damit bereits erfolgreich entfernt.

Das Wetter spielte mit, es war zwar zunächst nicht warm, aber durchweg trocken, so dass der Rumpf auch bald abgetrocknet war. Nun begann ich mit der eigentlichen Politur, wie vorgeschrieben, von Grob nach Fein. Zuerst kam also das D30-Pad auf die Maschine und es ging langsam aber stetig vom Bug zum Heck. Vor dem Wechsel auf das nächstfeinere Pad muss der behandelte Rumpf einmal mit einem trockenen Mikrofasertuch von losem Staub befreit werden. Da dies nicht so anstrengend ist, wie die Arbeit mit der Poliermaschine, machte ich dies immer im Wechsel. Eine Seite Polieren, dann reinigen, dann die nächste Seite Polieren, und so weiter. 

Diese wechselseitige Bearbeitung funktionierte perfekt. Ich konnte ohne Pause durcharbeiten. Da die Poliermaschine aber mit 2,6 kg auf Dauer nicht gerade leicht ist, wurden irgendwann die Arme schwer und kurze Pausen mussten dann doch sein. So brauchte ich schließlich für den gesamten Vorgang, vier Durchgänge mit vier unterschiedlichen Pads, sowie der abschließenden Versiegelung mit Polymer Sealant von Peter Wrede gut drei ganze Tage.

Dabei konnte ich nach jedem Abwaschen und Trocknen des Rumpfes deutliche Fortschritte in der Verbesserung der Oberfläche erkennen. Der Rumpf fühlte sich nach dem letzten Durchgang mit dem D3-Pad extrem glatt an. Die durch die Verwitterungen vorher zu fühlenden rauen Unebenheiten waren komplett verschwunden. Allerdings blieben gerade in der Nähe des Wasserpasses bei genauerem Hinsehen noch sichtbare Vergilbungen, doch die waren im Vergleich zu vorher deutlich abgemildert und ich persönlich kann damit leben, im kommenden Herbst, wenn Molly wieder aus dem Wasser kommt, hier noch einmal Hand und Polierpad anzulegen.

Nun wird manch einer sagen: „Was für ein Aufwand! Mit herkömmlicher Politur gehe ich einmal herum, wachse anschließend und lege mich dann in die Sonne.“ Und zunächst einmal muss ich ihm Recht geben. Der schnell sichtbare Erfolg gehört der herkömmlichen Politur. Es gibt jedoch ein „aber“:

Die Diamantpolitur arbeitet rein mechanisch, ohne Chemie. Jedes Pad hat eine definierte, immer gleich bleibende Korngröße und einen dadurch definierten Abrieb. Dieser Abrieb ist lt. Hersteller selbst bei dem schon relativ scharfen D30-Pad nur ein Bruchteil von dem Abrieb, den einer herkömmliche Politur mit selbstteilender Körnung erzeugt. Der Abtrag bewegt sich im Bereich weniger µ.

    

Ein weiterer, nicht zu verachtender Vorteil ist die Möglichkeit der Verarbeitung bei Frost oder auch direkter Sonnenbestrahlung der zu polieren Fläche, was bei Politurpasten die Gefahr des Einbrennens erzeugt. Nicht akkurat entfernte Politurreste setzen sich auf der Oberfläche fest und fördern das erneute Vergilben. Diese Gefahr soll bei der Diamantpolitur nahezu wegfallen. Bestenfalls muss der Rumpf während der Saison ein oder zweimal gewaschen, und im Herbst und im folgenden Frühjahr nur erneut versiegelt werden. Dieses selber zu beurteilen ist mir natürlich derzeit noch nicht möglich, hier muss ich meine eigenen Erfahrungen in den nächsten Monaten machen. Bis dahin ist Molly nun wieder in ihrem Element und glänzt mit den anderen Booten um die Wette.

Mein Fazit bis hier: Die Politur mit Diamantpads ist zunächst abhängig vom Anfangszustand der zu bearbeitenden Fläche bestimmt arbeitsintensiver als die herkömmliche. Hier sollte man sich im Zweifel eine fachkundige Beurteilung und Beratung durch einen Fachmann in Fragen der richtigen Pad-Auswahl einholen. Die Diamantpolitur ist rein mechanisch und durch die Abwesenheit von Chemieaufträgen auf dem Bootsrumpf langfristig oberflächenschonender. Auch der Umweltgedanke sollte nicht außer Acht gelassen werden. 

Die Aussicht, nach abgeschlossener Grundbehandlung deutlich weniger Aufwand betreiben zu müssen, bestenfalls für ein oder zwei Jahre nur noch waschen und neu versiegeln zu müssen, klingt für mich sehr verlockend. Ich bin überzeugt von dem von mir als absoluten Beginner erzielten Ergebnis (Profis werden bestimmt bessere Ergebnisse erzielen), und davon, den richtigen Weg beschritten zu haben.

Für alle, die sich näher informieren wollen:

Hier geht es zur Homepage des Herstellers der Diamantpads.

Ein Nachtrag:

Den ursprünglichen Text habe ich inzwischen in einem Punkt geändert: Ich hatte den Rumpf zwischen den einzelnen Politurgängen mit klarem Wasser abgespült, weil ich besonders gründlich sein wollte. Der Hersteller der Polierpads wies mich jedoch darauf hin, dass die trockene Reinigung mit einem weichen Mikrofasertuch besser wäre. Nasse Reinigung zwischen den Poliergängen könnte auf Dauer eher negative Auswirkungen auf die Rumpfoberfläche haben. Dies werde ich zu Beginn der Saison 2019, die nun immer näher rückt, auf jeden Fall berücksichtigen.  

 

Waschen, Polieren, Versiegeln – Erster Teil!

Das erste Mal in meinem Leben musste ich mich mit der möglichst richtigen Pflege eines GFK-Bootsrumpfes beschäftigen. Da gibt es viel zu lesen, Meinungen in Foren und Facebook-Gruppen einzuholen, aber auch Anleitungen und Erfahrungsberichte auf Youtube anzuschauen. Gut, dass es inzwischen so viele gute Quellen gibt, bei denen man sich schlau machen kann. Man läuft allerdings dabei auch schnell Gefahr, dass man anschließend vor lauter Meinungen nicht mehr weiß, welcher man nun folgen soll.

Zum Ende des Winterlagers steht neben dem Anstrich des Unterwasserschiffs mit Antifouling die Aufarbeitung der stark verwitterten Rumpfoberfläche von Molly, ihrem Gelcoat, an oberster Stelle. Ist es doch eine Arbeit, die am Besten „hoch und trocken“ zu erledigen ist. Einmal im Wasser, kommt man mit dem dafür notwendigen Gerät nicht mehr an die Flächen bis hinab zum Wasserpass heran.

Flex Poliermaschine XG3401

Für das Polieren ist zunächst die Auswahl des technischen Gerätes zu treffen. Schnell habe ich mich dazu entschlossen, das Polieren nicht, wie mein Vorbesitzer, per Hand mit Polierwolle, sondern mit einer professionellen Poliermaschine durchzuführen. Die einhellige Meinung in meinen unterschiedlichen Quellen lautete hier: Bloß keine Billigmaschine aus dem Baumarkt! Deren Motoren und Lager sind für den Dauereinsatz an einer so großen Fläche eines Bootsrumpfes nicht geeignet. Schnell sind die Bürsten der Elektromotoren verschlissen und lassen sich, wenn es ganz schlecht kommt, noch nicht einmal austauschen. Dann kann die Maschine nur entsorgt werden. So wandte ich mich an unseren ortsansässigen Werkzeugfachhandel, die Firma Josef Ruprecht GmbH in Bielefeld-Brake. Nach eingehender Beratung und auch Rückversicherung des Verkäufers bei den unterschiedlichen Herstellern, empfahl dieser mir eine Excenter-Poliermaschine von Flex, genauer der XG3401. Diese ist zwangsangetrieben und in der Geschwindigkeit regelbar. Zwangsantrieb bedeutet, dass die Maschine bei zunehmendem Druck nicht langsamer wird, oder gar ganz stehen bleibt, sondern mit gleichbleibender Geschwindigkeit weiter ihren Dienst tut. Der Excenter-Antrieb macht sie gerade auch für Anfänger, wie mich, leichter bedienbar. Die Gefahr, mit herkömmlichen Poliermitteln sogenannte Hologramme in den Lack oder ins Gelcoad zu polieren, wird stark reduziert.

Als nächstes stand die Wahl der richtigen Poliermittel auf dem Plan. Herkömmlich wird mit Schaumstoffpads und einer auf deren Härte abgestimmten Polierpaste gearbeitet. Lammfell kommt zum Abschluss für das Finish zum Einsatz. Aber auch hier gibt es inzwischen eine interessant klingende Alternative:

Diamantstaub-Polierpads der Firma P&S Powder and Surface GmbH in den Stärken D30 (grob, oben links), D12 (mittelgrob, oben rechts), D5 (mittel, unten links), D3 (fein, unten rechts)

Die Firma P&S Powder and Surface GmbH in Salzkotten bietet Polierpads an, die ohne Polierpaste auskommen. Vielmehr sind in den robusten Schaumstoff Schleifpartikel aus Diamantstaub eingearbeitet. Man nutzt dabei Pads unterschiedlich starker Körnung von Grob nach Fein. Das bedeutet jedoch einen zum herkömmlichen Verfahren wesentlich höheren Zeitbedarf, da man, wie in meinem Fall, letztlich mit vier Pads auch viermal um das Boot herum arbeiten muss. Vor jedem Padwechsel steht eine gründliche Reinigung mit Waschbürste und klarem Wasser an, damit der Abrieb des vorherigen Arbeitsgangs nicht das Ergebnis des nächsten Arbeitsgangs negativ beeinflusst.

Auch hier ließ ich mich eingehend direkt vom Hersteller beraten, der dies aber auch gerne und sehr ausführlich im persönlichen Gespräch tat. Ein sehr netter Kontakt! Von dort ging es, ausgestattet mit zunächst einem Starterkit, bestehende aus drei Schleifpads mit der Körnung D12 (grob), D5 (mittel) und D3 (fein) sowie einer Bürste, mit der die Pads ab und zu vom Abrieb gereinigt werden sollten, sowie der neu erstandenen Flex-Poliermaschine in Richtung Küste.

Das Polieren mit den Diamantpads kann bei strahlendem Sonnenschein und Wärme, aber auch bei klirrender Kälte bis in den Frostbereich hinein erfolgen. Nur regnen sollte es nicht, da dabei der auf der Oberfläche liegende Abrieb rasch verklumpt und sich im Polierpad festsetzt, aber auch das Polierergebnis negativ beeinflusst.

Meine erste Urlaubswoche war leider zu Beginn geprägt von ständigen Regenschauern, so dass ich mit den Arbeiten nicht wirklich voran kam. Ich beschränkte mich somit zunächst auf die erforderliche Grundreinigung des Gelcoats mit „Super-GFK-Reiniger“ von Yachticon, die ich mit einem Schaumstoffpad mit Mikrofaserüberzug und der Poliermaschine vornahm. Wiederholt wusch ich den Rumpf zwischendurch immer wieder mit der Waschbürste und Klarwasser ab. Schon nach dieser Grundreinigung stellte sich ein gewisser Glanz auf der verwitterten Oberfläche von Molly ein, die Vergilbungen waren aber immer noch sehr deutlich zu sehen.

Dann kam der Moment, wo der Regen aufhörte und der Rumpf vollständig abtrocknete. Der Moment für den ersten vorsichtigen Test mit den neuen Schleifpads. Beginnend mit der Stärke D12 bearbeitete ich ein Feld von etwa einem Quadratmeter in Querrichtung mit leicht überlappenden Bahnen. Die Maschine war dabei stets auf der niedrigsten Geschwindigkeitsstufe eingestellt. Anschließend musste die Fläche gewaschen und getrocknet werden, bevor mit dem nächst feineren D5-Pad weitergearbeitet werden konnte. Das selbe noch einmal beim Wechsel auf die abschließende D3-Scheibe.

Zunächst ernüchterndes Ergebnis nach der Bearbeitung mit den neuen Diamantpads

Das Ergebnis war ernüchternd. Kaum Glanz, kaum ein Unterschied zur umgebenden unbehandelten Fläche war zu erkennen. In meinem Kopf begann es zu arbeiten: War ich einem Blender aufgesessen, oder hatte ich schlicht irgendetwas übersehen oder falsch gemacht? Ein Versuch mit herkömmlicher Politur an einer anderen Stelle bestärkte meine beginnende Unsicherheit. Aber ich wollte es genau wissen. Ein Blender sollte, ja konnte der Hersteller der Pads nicht sein, das sagte mein gesunder Menschenverstand nach dem so guten persönlichen Kontakt. So setzte ich mich nach der ersten Woche Urlaub mit ihm in Verbindung und berichtete von meinen kläglichen Versuchen, indem ich ihm Fotos schickte.

Prompt kam die besorgte Antwort aus Salzkotten: Der Zustand des Gelcoats war für das D12-Pad zu schlecht. Sogleich schickte der Hersteller mir ein weiters Pad mit der Stärke D30 zu. Seine Worte dazu: „Das wäre das erste Schiff, dass wir nicht hinbekommen würden. Das darf nicht sein!“ Auch den Hersteller hatte nun also der Ehrgeiz gepackt.

Mit diesem D30-Pad sollte ich nun beginnen und dann mit den übrigen Pads der Reihe nach weiter arbeiten. Das wollte ich bei meiner zweiten Urlaubwoche, der Woche direkt vor dem Krantermin, in Angriff nehmen. Das wirklich erstaunliche Ergebnis lest in meinem demnächst kommenden Bericht auch hier auf Molly-segelt.de.

In drei Wochen geht es wieder los

Wenn ich gerade aus dem Fenster schaue, ist mir noch nicht wirklich nach segeln. Und wenn ich auf Facebook Fotos aus Wilhelmshaven sehe, kann ich auch noch nicht so richtig daran glauben, dass Molly in wenigen Wochen wieder schwimmen soll. Im Moment scheint eine kräftige Eisschicht das Eintauchen ins Wasser unmöglich zu machen.

Daher beschäftigen mich derzeit eher Fragen aus dem Bereich Bootspflege, wie z. B. das Polieren des Rumpfs und anschließendes Versiegeln oder Konservieren. Fest steht für mich, dass ich mir eine gute Poliermaschine kaufen werde, da die zu bearbeitende Fläche doch recht groß ist. Doch wenn ich schon schwer verdientes Geld ausgebe, soll das gekaufte Gerät auch wirklich gut sein. Daher hole ich mir derzeit aus mehreren Quellen Informationen über das Thema Politur. Über ungelegte Eier möchte ich hier aber nicht berichten. Daher werde ich bei Zeiten in einem neuen Beitrag darüber berichten, wie ich mich entschieden habe.

Ebenfalls für eine Überarbeitung fällig ist mein Schaltpanel für die Bordelektrik. 40 Jahre haben den Kunststoff der Schalter stark porös gemacht, so dass inzwischen an mehreren Schaltern die Halteklemmen abgebrochen sind, die die Schalter im Panel fixieren sollen. Hier ist also ebenfalls Action angesagt. Fritz, der Bruder meiner Schwägerin hat mir seine Hilfe angeboten, wenn ich ihn mal auf Törn mitnehme. Natürlich habe ich sofort angenommen, denn Fritz ist Elektriker.

Nicht zuletzt bin ich natürlich gespannt, wie Molly über den Winter gekommen ist. Aufregend wir es sein, den ersten Blick auf den Rumpf und in die Kajüte zu werfen. In drei Wochen ist es soweit. Ab 19.03.2018 habe ich eine Woche Urlaub, die ich in Wilhelmshaven verleben möchte. Es kribbelt bereits in den Fingern…

Kran-Termin im Herbst 2017

Meine erste Ausfahrt mit Molly liegt gerade eine Woche zurück, da ist die Saison 2017 auch schon vorbei. Dir Marina Cramer hat einen kräftigen Autokran bestellt, der am Samstag, den 21.10.2017 alle Schiffe, die für das Winterlager angemeldet sind, aufs Trockene hebt.

Am Tag davor konnten wir entspannt dabei zusehen, wie zunächst die Boote des WYC, einem benachbarten Yacht-Club, mit dem Kran auf ihre Trailer gehoben wurden. Dies passierte zum Teil sehr lautstark durch die Clubmitglieder kommentiert, aber dennoch relativ reibungslos. Gegen Abend, bei den letzten Booten, hörte man zwei mal mit lautem Knall einen Reifen platzen. Dies kommt immer mal wieder vor, da die Trailer eigentlich das ganze Jahr herumstehen und nur zweimal beweget werden. Die Reifen werden dadurch mürbe und platzen dann bei der nächsten größeren Beanspruchung.

Am Samstag Morgen war es dann auch für uns soweit. Die Anspannung wuchs nun auch für mich, da dies der erste Kran-Termin für Molly unter meiner Verantwortung war. Hartwich mit seiner Nausikaa, einer Dehler 34, machte den Anfang. Er ist seit 28 Jahren Bootseigner und hat entsprechende Erfahrung. Und um es vorweg zu nehmen: Sein Unterwasserschiff glänzte bereits auf Hochglanz, als das letzte Schiff noch am Haken hing.

Gegenseitiges Anpacken und Helfen ist eine Selbstverständlichkeit. Die Reihenfolge der Boote wurde von Bert, dem Inhaber der Marina vorher festgelegt und bekannt gegeben. So wusste jeder Bootseigner, wann er dran war. Ich ging rechtzeitig zur Molly und ließ zunächst den Motor etwas warm laufen. Unterstützt von Jörg und Steffi, zwei Stegnachbarn, fuhr Molly ihre letzte Strecke für dieses Jahr vom Liegeplatz zum Ausrüstungssteg, wo der Kran sie erwartete. Markierungen am Rumpf zeigen die richtigen Stellen, wo die Tragegurte des Krans angelegt werden müssen. ein erstes vorsichtiges Anheben zeigte, dass der achterliche Gurt nicht optimal lag. Er drückte auf die Schraubenwelle. So wurde Molly noch einmal zurück ins Wasser gelassen und die Lage des Gurtes korrigiert. Und dann ging es ab in die Höhe, wobei Molly mit zwei an Bug und Heck befestigten Leinen geführt wurde.

Richtig herum gedreht schwebte sie über ihrem Lagerbock ein. Dann wurde sie auf den Kiel gestellt und der Lagerbock darunter richtig ausgerichtet. Zuletzt wurden die vier Lager an die Bordwand gehoben und festgeschraubt. Der Kran konnte nun entlasten und die Gurte gelöst werden. Der ganze Vorgang dauerte 16 Minuten, die mir letztlich als Kranzeit berechnet werden.

Molly war das letzte Segelschiff, das gekrant wurde. Nun folgten die Motoryachten und Boote. Auch hier packten fast alle wieder mit an, bis das letzte Schiff sicher auf dem Trockenen stand.

Dann ging es ans Reinigen des Unterwasserschiffs. Der Bewuchs hielt sich jedoch in Grenzen, so dass nur wenige Seepocken abgeschabt werden mussten. Anschließend erledigte der mitgebrachte Hochdruckreiniger den Rest. Innerhalb einer halben Stunde strahlte das Unterwasserschiff wieder wie neu und wartet nun auf die Weiterbehandlung mit Abschleifen und anschließenden neuen Antifauling. Aber das ist eine andere Geschichte.

Abschließend übernachtete ich noch einmal in der Kajüte von Molly. Das Wetter verschlechterte sich jedoch mit jeder Stunde. Und so stand für mich fest, dass ich am nächsten Morgen meine Sachen packen, und die Heimreise antreten würde. Nach einer Nacht, in der das Schiff weder schaukelte, noch Wellenplätschern oder -gluckern zu hören war, verabschiedete ich mich von den Stegnachbarn, die ebenfalls noch an Bord übernachtet hatten und fuhr gen Heimat.

 

Erste Ausfahrt auf die Jade

 

Das letzte Wochenende meines Urlaubs ist da. Erstaunlich gut kam ich über die Autobahn nach Wilhelmshaven zur Molly. Gerd, der Eigner der Gitano war bereits dort und arbeitete an seinem Boot. Nachdem ich meine Sachen an Bord von Molly gebracht hatte, schmissen wir erst einmal den Grill an und ließen es uns gut gehen. Der Wetterbericht für den nächsten Tag war vielversprechend. Es sollte DER Tag werden. Wir legten uns fest, abzulegen.

Der nächste Morgen brach an. Zeitig sprang ich aus der Koje. Mein erster Blick ging aus dem Hauptschott hinaus. Klare Sicht! Kein Nebel! Kein Regen! Aber dicke, tiefe Wolken. Egal, heute sollte die erste Ausfahrt mit Molly stattfinden. Das Frühstück war Nebensache. Im UKW-Funk brachte Jade-Traffic den Lagebericht. Auch hier wurde kein Grund genannt, das Vorhaben abzublasen. Ich bereitete Molly auf das Ablegen vor. Um 8:30 Uhr waren wir mit dem Brückenwärter der Kaiser-Wilhelm-Brücke verabredet. Ich war noch nicht ganz fertig, da kreuzte Gerd mit seiner Gitano an meinem Liegeplatz auf. Mein Motor war ebenfalls warm gelaufen und so trennte ich den Landstrom, warf die Leinen los und legte rückwärts vom Fingersteg ab.

Wir tuckerten gemeinsam in Richtung KW-Brücke und drehten davor ein paar Warteschleifen, bis der Brückenwärter zur vereinbarten Zeit die Brücke für uns zur Seite schwenkte. Dann konnten wir die Brücke passieren. Der Brückenwärter rief uns noch zu, dass die letzte Einwärtsschleusung heute um 15.30 Uhr wäre. Damit stand fest, wie lang unsere Ausfahrt werden würde.

Die Fahrt ging weiter durch den Binnenhafen bis hin zur großen Seeschleuse, durch die wir schließlich in den neuen Vorhafen und dann endlich hinaus auf die Jade gelangen sollten. Doch zunächst hieß es warten. Ein Anruf beim Schleusenmeister bestätigte uns, dass zunächst einwärts geschleust werden sollte. Und so drehten wir weiter Warteschleifen vor dem großen Schleusentor, bis es schließlich langsam begann, sich zu öffnen.

Als das Einfahrsignal um punkt 9 Uhr auf „grün“ sprang, fuhren wir in die Schleuse ein und machten darin die Boote fest. Die Schleusenzeit nutzten wir für eine kurze Unterhaltung und zum Klarmachen der Segel für das Auslaufen. Erstaunlich schnell wurde das äußere Schleusentor geöffnet und wir mussten uns mit unseren Vorbereitungen sputen. Rasch schmissen wir den Motor an und verließen die Schleusenkammer. Der Vorhafen war leer, so dass wir genug Platz hatten, die Segel zu hissen und Kurs auf die Hafenausfahrt zu nehmen. Der Motor lief im Standgas mit, um notfalls schnell reagieren zu können, falls doch noch ein großer Pott in den Hafen einlaufen sollte.

Nach Passieren der Hafenausfahrt, stoppten wir die Motoren und nahmen Kurs auf die Tonne 52 auf der gegenüber liegenden Seite des Fahrwassers, und dort legten wir nördlichen Kurs entlang des Tonnenstrichs an. Molly segelte zunächst mit 4 bis 5 Knoten über Grund. Und das, obwohl ich nur als Vorsegel die Fock angeschlagen hatte. Später, als der Tidenstrom uns mit sich nahm, waren auch mal 8 Knoten drin. Im nächsten Jahr kommt die Genua ans Vorstag. Da geht noch was, ich bin mir sicher.

Ein unbeschreibliches Glücksgefühl kam in mir auf. Das war genau das, wovon ich so lange geträumt hatte. Eine angenehme Stille, nur unterbrochen durch Wind- und Wellengeräuschen umhüllte mich auf meinem Boot. Ich saugte diese Stimmung förmlich in mich auf. Dies war die erste Fahrt auf eigenem Schiff! Fantastisch!!!

Nach einiger Zeit schaute ich zurück zur Gitano von Gerd. Sie war deutlich zurück gefallen. Ich entschloss mich zu wenden und Gerd entgegen zu fahren. Wir hatten vorher verabredet, uns gegenseitig zu fotografieren. Denn wer kann schon – ohne Drohne – Fotos vom eigenen Schiff machen, während man darauf segelt? Ich zückte also mein Handy und machte ein paar Aufnahmen von Gitano, während ich an ihr vorbei segelte. Gerd machte ebenfalls einige Aufnahmen von meinem Schiff. Dieses Spiel wiederholte sich nun öfters, während wir in nördlicher Richtung außerhalb des Fahrwassers die Jade seewärts fuhren.

Der Kurs führte uns entlang der Tankerbrücken des Ölhafens, der langen Kaimauer des Jade-Weser-Ports, Hooksiel, Horumersiel und Schillig bis zur Tonne 26, die bereits in der Nähe der relativ jungen Insel Minsener Oog liegt. Ein Blick auf die Uhr sagte uns, dass wir dringend umdrehen mussten, um rechtzeitig zum Schleusen wieder in Wilhelmshaven zu sein. Bei genauer Rechnung stellte sich sogar heraus, dass wir ohne Motor nicht pünktlich sein würden, da die Tide erst in zwei Stunden kippt und wir diese Zeit gegen den Strom segeln müssen.

Also Motor an und anschieben bis zu einer Geschwindigkeit von 5 Knoten über Grund. Molly machte das ohne Murren. Auch hier blieb Gitano schon nach kurzer Zeit deutlich im Kielwasser zurück. Nach gut einer Stunde Motoren merkte ich dass der Gegenstrom langsam weniger wurde. Ich konnte den Motor ausschalten und hielt eine Geschwindigkeit von 4 bis 5 Knoten. Das würde reichen, um pünktlich zum Schleusen im Hafen zu sein.

Zwei Meilen vor dem Hafen rief ich über UKW-Funk die Schleuse, hatte jedoch die falsche Frequenz eingestellt. Eine etwas mürrische Antwort machte mich darauf aufmerksam. Nach dem Wechsel auf die richtige Frequenz erfuhr ich, dass die Schleusung nicht um 15.30 Uhr sondern erst um 16.00 Uhr. Das gab Luft, noch weiter Wenden und Halsen zu fahren und dann pünktlich die Segel zu bergen und unter Motor in die Schleuse einzulaufen. Dabei begleitete uns die Wasserschutzpolizei, die freundlich grüßte, aber sonst kein größeres Interesse an uns zeigte. Muss ja auch nicht sein.

Das Schleusen selber dauerte etwas über eine Stunde. Warum? Keine Ahnung. Der Wasserstand war rasch ausgeglichen. Aber das Binnentor blieb zu. Wir machten uns schon Sorgen, dass die KW-Brücke nicht mehr aufmachen würde. Und als Gerd nach der Öffnung des Schleusentores beim Brückenwärter anrief, meinte der nur „Hebel auf den Tisch!“. Mit anderen Worten: „Mach hinne!“.

Das machten wir dann auch, denn auch wir wollten nun langsam am Liegeplatz festmachen. Witzig dabei war, dass unsere Brückendurchfahrt zufällig von jemandem gefilmt, und bei Facebook in die Gruppe „Wenn Du Wilhelmshaven kennst…“ gepostet wurde. So konnten wir unsere Ankunft abends noch einmal „von außen“ betrachten.

Ich bin unendlich froh, dass ich es nun doch noch geschafft habe, die Saison mit dieser einen Ausfahrt beschließen zu können. Und sie macht Mut für die kommende Saison. Schließlich sollen im kommenden Jahr deutlich mehr Meilen auf der Logge registriert werden. Das Wetter hielt, es gab trotz dicker, tief ziehender Wolken keinen Regen. Der Wind blies mit einer stetigen 4, manchmal etwas böig. Es war ein perfekter Tag. Ich bin glücklich. Nun kann der Krantermin kommen.

Herbsturlaub an Bord

Mann, was hatte ich diesen Urlaub herbeigesehnt. Und dann war es plötzlich so weit. Nicht zu fassen, aber ich brauchte tatsächlich einen Stubser meines Kollegen, um zu akzeptieren, dass ich nicht alles fertig bekommen würde. Der Urlaub begann an einem Freitag. Eine gute Entscheidung. Das brachte mir einen freien Tag, wo ich gefühlsmäßig noch arbeiten wollte.

Klasse, wenn man sich noch einmal umdrehen kann, wenn eigentlich der Wecker klingelt. Erwartungsgemäß wurde ich zur gewohnten Zeit wach. Nach einer anfänglichen kleinen Orientierungslosigkeit wuchs in mir die Erkenntnis, dass ich nicht aufstehen muss. Ein wirklich geniales Gefühl! Also, rasch wieder in die Decke gekuschelt und nochmal zwei Stunden dran gehängt.

Inzwischen bin ich bereits sechs Tage an Bord der Molly. Die Bundestagswahl am vergangenen Sonntag ist für mich inzwischen schon wieder in weite Ferne gerückt. Es ist der Samstag danach. Die vergangene Woche war, vermutlich gerade, weil so wenig passierte, für mich die pure Erholung. Das Wetter machte mir allerdings jeden Tag aufs Neue einen dicken Strich durch die Rechnung, evtl. doch noch in diesem Jahr meine erste Ausfahrt auf die Jade zu schaffen.

Gerade gestern, Freitag, standen von den Wetterdaten alle Zeichen auf grün. Der Nebel, der mir tags zuvor die Ausfahrt versperrte, sollte weg sein. War er aber nicht. Ich hatte mir extra den Wecker gestellt. 6.45 Uhrstand ich auf. Mein erster Blick ging aus dem Kajütschott achteraus. Das Hotel Atlantic sollte dort eigentlich im Hintergrund zu sehen sein. Aber trotz angestrengter Suche konnte ich zwar die Solveig am Kopf des Nachbarsteges erkennen, aber das Hotel war weg. Wieder weg, da es am Morgen davor schon genau so gewesen war. Aber natürlich nur „weg“ im Sinne von „nicht zu sehen“.

Nun also wieder Nebel. Das Warten begann. Immer wieder schickte ich einen prüfenden Blick in Richtung der Kaiser-Wilhelm-Brücke, die in 0,6 Seemeilen Entfernung liegt.

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Aber dort war nur eine undurchdringliche weiße Wand zu sehen. Erst gegen zehn Uhr hob sich die Brücke schemenhaft aus dem Nebel hervor. Es reichte aber bei weitem nicht zum Auslaufen. Um es kurz zu machen: Der Nebel lichtete sich erst gegen kurz nach 13 Uhr. Zu spät, um noch aus dem Hafen zu kommen. Denn dafür braucht man hier wegen der schon erwähnten KW-Brücke, die für die Passage mit einem Segelschiff erst geöffnet werden muss, und der anschließenden Fahrt durch die Seeschleuse gut eine Stunde Zeit. Da aber bereits um 15 Uhr wieder binnenwärts geschleust wird, bleibt man besser gleich im Hafen.

Eine kleine Entschädigung gab es am Abend, als um 21 Uhr ein gut zehnminütiges Höhenfeuerwerk über Wilhelmshafen abgebrannt wurde. Da lässt sich die Stadt Wilhelmshaven wirklich nicht lumpen, obwohl sie finanziell bestimmt nicht gerade gut da steht. Dennoch war die Enttäuschung über die verpasste Gelegenheit riesengroß.

Samstag, der 30. September, begann wieder mit dem schon obligatorischen Blick achteraus. Die Solveig war gut zu sehen, auch das Hotel dahinter. Aber sobald mein Blick Richtung Steuerbord auf die Brücke gerichtet war, wusste ich, das wird heute wieder nichts. Schon wieder nur eine knappe halbe Seemeile Sicht. Der Dunst verzog sich dieses Mal schneller. Doch dafür war der Wind total eingeschlafen. Mit Jörg, der mit seinen Kindern in der Marina das Wochenende verbringt,  gehe ich Brötchen holen. Als wir zurück in der Marina waren, ist der Bonte-Kai wie leer gefegt. Alle Schiffe sind zur Regatta aufgebrochen. Wir wollten nach dem Frühstück den leeren Hafen zum Segeln nutzen, aber es stellte sich kein Wind ein. Ich hisste die Segel am Steg. Aber sie hingen schlaff und füllten sich kein bisschen. So widmete ich mich dem Studium des Einleinen-Reffsystems der Delanta, wobei ich gleich merkte, dass das Großsegel mit seinen beiden Holepunkten für die Reffleine nicht optimal ausgestattet war. Eigentlich müsste es lt. Beschreibung noch zwei weitere Punkte besitzen, damit es sauber auf den Baum niedergeholt, und dort fixiert werden kann.

Nach dieser Inspektion zog sich der Himmel zu und verfinsterte sich zusehens. Dennoch wollten wir um 17 Uhr das Einlaufen der Groß- und Traditionssegler nicht verpassen. Mit Regenjacke vermeindlich gut ausgestattet, gingen wir los. Aber kaum waren wir über die KW-Brücke hinweg, öffnete der Himmel seine Schleusen. Wir ließen uns die Laune jedoch nicht verderben und steuerten den nächstbesten Imbisstand an. Hie kaufte ich das wohl schlechteste Fischbrötchen der Saison. Und auch Gerd und Beate konnten nicht fassen, was uns dort für sage und schreibe 4,50 € überreicht wurde. Eigentlich hätten wir es gleich zurück geben sollen, doch unsere gute Erziehung stand uns hier eindeutig im Weg.

Dazu kam, dass wir von Minute zu Minute nasser wurden. Das Problem war nicht die Regenjacke, sondern vielmehr die Hose und die Schuhe. Alles war binnen kurzem durchnässt. Und so entschlossen wir uns nach einer Portion Gemüse-Nudel-Pfanne und einem Bier, den Heimweg in Richtung eigenes Boot anzutreten. Und das war auch gut so! Dort angekommen, bemerkte ich, dass durch den Spalt zwischen den beiden Schottbrettern Regenwasser in den Salon von Molly eingedrungen war. Nachdem ich mich zunächst aus den vollkommen durchnässten Sachen geschält hatte, und diese in den Trockenschrank der Delanta gehängt hatte, widmete ich mich dem Wasserschaden. Zunächst brachte ich eine Plane von außen auf die beiden Schottbretter auf und fixierte sie mit Klebeband. So war der „Wassereinbruch“ gestoppt. Allerdings war der Teppich im Salon deutlich feucht geworden, so dass ich nun doch den Heizlüfter hervorholte und einschaltete. Und so liege ich nun auf dem Rundsofa und schreibe diese Zeilen, während das Feuchte langsam wieder trocken wird. Unterdessen hat es sogar wieder aufgehört, zu regnen.

Am nächsten Morgen wollte ich unbedingt etwas gegen zukünftigen Wassereinbruch durch Starkregen tun. Ich erinnerte mich daran, bei Übernahme des Schiffs in den Staufächern unter dem Rundsofa im Salon eine weiße Plastikplane gesehen zu haben. Diese haben ich nun heraus geholt, über den Baum gelegt, und mit Spanngummis an den Relingdrähten und -stützen  so befestigt, dass sie einen hervorragenden Schutz gegen Regen, aber auch Sonne für den Eingangsbereich meiner Hauptkajüte bildet. Zusätzlich habe ich mit Klebeband an der Nahtstelle der beiden Schottbretter eine Art Regenabweiser gebastelt, so dass herablaufendes Wasser vom Schott abtropft, statt in den Spalt zwischen den Brettern gezogen zu werden. Ich bin gespannt auf meinen nächsten Besuch bei Molly.

Mit meinem Stegnachbarn Siegfried unterhielt ich mich über den bevorstehenden Krantermin. Er gab mir wertvolle Tipps bezüglich meines Diesel-Motors. Molly besitzt einen Farymann Einbaudiesel mit einer Einkreis-Seewasserkühlung. Dieser Motor will nach dem Auskranen vernünftig winterfest gemacht werden. Wie ich das machen werde, schreibe ich hier in einem weiteren Beitrag über das Winterlager.

Vor meiner Abreise in Richtung Heimat verabredete ich mich mit Gerd, einem weiteren Stegnachbarn, am letzten Wochenende meines Urlaubs noch einmal zum Boot zu fahren, um dann die letzte Möglichkeit vor dem Winterlager für eine Ausfahrt auf die Jade zu nutzen. Hoffentlich klappt´s!

Endlich mal fahren

Am vergangenen Wochenende war ich erneut zur Molly gefahren. Der Windfinder sagte nichts gutes voraus. Wind um 7 bis 9 ist nicht gerade die Windstärke, bei der man sich mit seinem neuen Schiff anfreunden will. Da bleiben die Leinen fest und die Zeit wird mit Basteln und Müßiggang verbracht. So war meine Erwartungshaltung

Dann kam aber doch alles ganz anders. Zwar begann mein Wochenende bei strömendem Regen, wie nebenstehendes Foto zeigt, und stand durch den lang anhaltenden starken Nord-West auch noch eine hohe Welle in der Jade. So war an ein Auslaufen, für mich jedenfalls, nicht zu denken. Aber im Großen Hafen waren moderate Windverhältnisse. Von stürmisch kein Spur. Da aber Jade-Traffic über Funk stündlich eine Windwarnung brachte, war weiter Vorsicht angesagt.

Den Samstag verbrachte ich zunächst damit, die alte, brüchig gewordene Spüle aus der Pantry gegen eine neue Spüle zu tauschen. Diese hatte ich bereits zu Hause passend gesägt und mit Bohrlöchern für die Verschraubung versehen. Nun musste ich sie nur noch von unten gegen die Tischplatte schrauben, so dass sie korrekt in der Öffnung nach oben zentriert war. Das gestaltete sich recht kniffelig, da der Platz im Unterschrank für meinen Kopf und den Schraubendreher nicht gerade üppig bemessen war. Aber nach etlichem Fluchen, einem verrenkten Hals und ein paar blauen Flecken saß die Spüle fest an Ort und Stelle. nun musste sie nur noch mit transparentem Dichtungskleber am Holz abgedichtet werden. Das war dann auch rasch erledigt, und so konnte ich die Trocknungszeit zu einem Ausflug in die Wilhelmshavener Innenstadt nutzen, den ich zusammen mit Christian und seiner Familie unternahm.

Dort war an diesem Wochenende wieder das StreetArt Festival. Hier kommen Straßenmaler aus aller Herren Länder zusammen und malen um die Wette. Dabei entstehen beeindruckende, aber vergängliche Kunstwerke, die z. T. dreidimensional angelegt sind und von einem bestimmten Punkt aus betrachtet verblüffend räumlich wirken. Da scheinen Figuren, die auf das Pflaster der Straße gemalt wurden, auf dieser zu stehen und sogar einen Schatten zu werfen. Der Klingone Spok würde die Augenbraue hoch ziehen und „Faszinierend!“ ausrufen.

Zurück in Richtung Marina kamen wir bei dem zweiten Groß-Event des Tages vorbei, dem Wilhelmshavener Bierfest am Pumpwerk. Auch hier konnte man große Augen machen ob der Vielfalt des Angebotes. Die Verlockung war groß, alles zu probieren. Aber glücklicher Weise waren die Preise doch so angelegt, dass eine Massenverkostung eher nicht in Frage kam. So blieb es bei einem perfekt gekühlten dunklen Hefeweizen aus einer bekannten Bayerischen Klosterbrauerei.

Der nächste Morgen begrüßte mich beim Blick aus der Kajüte mit einem wunderschönen Regenbogen bei fast blauem Himmel. Der Wind war zunächst komplett weg, kam dann im Laufe des Morgens jedoch wieder. Es blieb bei einer gemäßigten 3 bis 4 im Hafen. Perfekt, um endlich mal die Leinen los zu werfen und ein paar Runden durch den Großen Hafen zu drehen. Dabei nahm ich meine Kamera mit, um auch gleich ein paar Fotos von der am Bontekai liegenden Mircea zu machen. Die Drei-Mast-Bark ist ein Schwesterschiff des deutschen Segelschulschiffs der Marine, Gorch Fock, die derzeit runderneuert wird.

Der Diesel lief wie ein Uhrwerk. Vorwärts, rückwärts, Leerlauf, Drehen auf engem Raum, all das konnte ich nun endlich mal ein wenig ausprobieren. Dabei merkte ich rasch, dass Molly doch sehr windanfällig ist, sobald sie keine Fahrt durchs Wasser macht. Da werde ich noch einige Übungsfahrten brauchen, um sie richtig einschätzen zu können.

Nach gut einer Stunde Fahrt stiegt Christian bei einer Vorbeifahrt am Steg zu, und wir rollten die Fock aus und stellten den Motor ab. Molly brauchte nicht lange, um nur unter Vorsegel auf gut drei Knoten zu beschleunigen. In einem Windkorridor, der vom Banter See herüber wehte, wurde es auch noch leicht schneller, so dass das Wenden gut funktionierte. Allerdings hatten wir auch so manchen Fehlversuch, bei dem der Schwung nicht ausreichte, durch den Wind zu kommen. Also neuer Anlauf und noch mal. Dieses Mal klappte es. Die fehlende Fahrt durchs Wasser lies dann jedoch das Ruder wirkungslos werden, so dass Molly durch das Vorsegel getrieben weit abfiel. Erst, als das Schiff wieder Fahrt durchs Wasser machte, setzte die Ruderwirkung ein und wir konnten wieder anluven.

Fazit: Es macht unheimlich viel Spaß, die Molly zu segeln. Und wenn beim nächsten Mal das Großsegel dazu kommt, klappte es bestimmt auch mit den Manövern besser. Der Anfang ist jedenfalls gemacht, und ich freue mich auf die nächsten Fahrten im Hafen, oder vielleicht demnächst auch davor auf der Jade!