Kran-Termin im Herbst 2017

Meine erste Ausfahrt mit Molly liegt gerade eine Woche zurück, da ist die Saison 2017 auch schon vorbei. Dir Marina Cramer hat einen kräftigen Autokran bestellt, der am Samstag, den 21.10.2017 alle Schiffe, die für das Winterlager angemeldet sind, aufs Trockene hebt.

Am Tag davor konnten wir entspannt dabei zusehen, wie zunächst die Boote des WYC, einem benachbarten Yacht-Club, mit dem Kran auf ihre Trailer gehoben wurden. Dies passierte zum Teil sehr lautstark durch die Clubmitglieder kommentiert, aber dennoch relativ reibungslos. Gegen Abend, bei den letzten Booten, hörte man zwei mal mit lautem Knall einen Reifen platzen. Dies kommt immer mal wieder vor, da die Trailer eigentlich das ganze Jahr herumstehen und nur zweimal beweget werden. Die Reifen werden dadurch mürbe und platzen dann bei der nächsten größeren Beanspruchung.

Am Samstag Morgen war es dann auch für uns soweit. Die Anspannung wuchs nun auch für mich, da dies der erste Kran-Termin für Molly unter meiner Verantwortung war. Hartwich mit seiner Nausikaa, einer Dehler 34, machte den Anfang. Er ist seit 28 Jahren Bootseigner und hat entsprechende Erfahrung. Und um es vorweg zu nehmen: Sein Unterwasserschiff glänzte bereits auf Hochglanz, als das letzte Schiff noch am Haken hing.

Gegenseitiges Anpacken und Helfen ist eine Selbstverständlichkeit. Die Reihenfolge der Boote wurde von Bert, dem Inhaber der Marina vorher festgelegt und bekannt gegeben. So wusste jeder Bootseigner, wann er dran war. Ich ging rechtzeitig zur Molly und ließ zunächst den Motor etwas warm laufen. Unterstützt von Jörg und Steffi, zwei Stegnachbarn, fuhr Molly ihre letzte Strecke für dieses Jahr vom Liegeplatz zum Ausrüstungssteg, wo der Kran sie erwartete. Markierungen am Rumpf zeigen die richtigen Stellen, wo die Tragegurte des Krans angelegt werden müssen. ein erstes vorsichtiges Anheben zeigte, dass der achterliche Gurt nicht optimal lag. Er drückte auf die Schraubenwelle. So wurde Molly noch einmal zurück ins Wasser gelassen und die Lage des Gurtes korrigiert. Und dann ging es ab in die Höhe, wobei Molly mit zwei an Bug und Heck befestigten Leinen geführt wurde.

Richtig herum gedreht schwebte sie über ihrem Lagerbock ein. Dann wurde sie auf den Kiel gestellt und der Lagerbock darunter richtig ausgerichtet. Zuletzt wurden die vier Lager an die Bordwand gehoben und festgeschraubt. Der Kran konnte nun entlasten und die Gurte gelöst werden. Der ganze Vorgang dauerte 16 Minuten, die mir letztlich als Kranzeit berechnet werden.

Molly war das letzte Segelschiff, das gekrant wurde. Nun folgten die Motoryachten und Boote. Auch hier packten fast alle wieder mit an, bis das letzte Schiff sicher auf dem Trockenen stand.

Dann ging es ans Reinigen des Unterwasserschiffs. Der Bewuchs hielt sich jedoch in Grenzen, so dass nur wenige Seepocken abgeschabt werden mussten. Anschließend erledigte der mitgebrachte Hochdruckreiniger den Rest. Innerhalb einer halben Stunde strahlte das Unterwasserschiff wieder wie neu und wartet nun auf die Weiterbehandlung mit Abschleifen und anschließenden neuen Antifauling. Aber das ist eine andere Geschichte.

Abschließend übernachtete ich noch einmal in der Kajüte von Molly. Das Wetter verschlechterte sich jedoch mit jeder Stunde. Und so stand für mich fest, dass ich am nächsten Morgen meine Sachen packen, und die Heimreise antreten würde. Nach einer Nacht, in der das Schiff weder schaukelte, noch Wellenplätschern oder -gluckern zu hören war, verabschiedete ich mich von den Stegnachbarn, die ebenfalls noch an Bord übernachtet hatten und fuhr gen Heimat.

 

Erste Ausfahrt auf die Jade

 

Das letzte Wochenende meines Urlaubs ist da. Erstaunlich gut kam ich über die Autobahn nach Wilhelmshaven zur Molly. Gerd, der Eigner der Gitano war bereits dort und arbeitete an seinem Boot. Nachdem ich meine Sachen an Bord von Molly gebracht hatte, schmissen wir erst einmal den Grill an und ließen es uns gut gehen. Der Wetterbericht für den nächsten Tag war vielversprechend. Es sollte DER Tag werden. Wir legten uns fest, abzulegen.

Der nächste Morgen brach an. Zeitig sprang ich aus der Koje. Mein erster Blick ging aus dem Hauptschott hinaus. Klare Sicht! Kein Nebel! Kein Regen! Aber dicke, tiefe Wolken. Egal, heute sollte die erste Ausfahrt mit Molly stattfinden. Das Frühstück war Nebensache. Im UKW-Funk brachte Jade-Traffic den Lagebericht. Auch hier wurde kein Grund genannt, das Vorhaben abzublasen. Ich bereitete Molly auf das Ablegen vor. Um 8:30 Uhr waren wir mit dem Brückenwärter der Kaiser-Wilhelm-Brücke verabredet. Ich war noch nicht ganz fertig, da kreuzte Gerd mit seiner Gitano an meinem Liegeplatz auf. Mein Motor war ebenfalls warm gelaufen und so trennte ich den Landstrom, warf die Leinen los und legte rückwärts vom Fingersteg ab.

Wir tuckerten gemeinsam in Richtung KW-Brücke und drehten davor ein paar Warteschleifen, bis der Brückenwärter zur vereinbarten Zeit die Brücke für uns zur Seite schwenkte. Dann konnten wir die Brücke passieren. Der Brückenwärter rief uns noch zu, dass die letzte Einwärtsschleusung heute um 15.30 Uhr wäre. Damit stand fest, wie lang unsere Ausfahrt werden würde.

Die Fahrt ging weiter durch den Binnenhafen bis hin zur großen Seeschleuse, durch die wir schließlich in den neuen Vorhafen und dann endlich hinaus auf die Jade gelangen sollten. Doch zunächst hieß es warten. Ein Anruf beim Schleusenmeister bestätigte uns, dass zunächst einwärts geschleust werden sollte. Und so drehten wir weiter Warteschleifen vor dem großen Schleusentor, bis es schließlich langsam begann, sich zu öffnen.

Als das Einfahrsignal um punkt 9 Uhr auf „grün“ sprang, fuhren wir in die Schleuse ein und machten darin die Boote fest. Die Schleusenzeit nutzten wir für eine kurze Unterhaltung und zum Klarmachen der Segel für das Auslaufen. Erstaunlich schnell wurde das äußere Schleusentor geöffnet und wir mussten uns mit unseren Vorbereitungen sputen. Rasch schmissen wir den Motor an und verließen die Schleusenkammer. Der Vorhafen war leer, so dass wir genug Platz hatten, die Segel zu hissen und Kurs auf die Hafenausfahrt zu nehmen. Der Motor lief im Standgas mit, um notfalls schnell reagieren zu können, falls doch noch ein großer Pott in den Hafen einlaufen sollte.

Nach Passieren der Hafenausfahrt, stoppten wir die Motoren und nahmen Kurs auf die Tonne 52 auf der gegenüber liegenden Seite des Fahrwassers, und dort legten wir nördlichen Kurs entlang des Tonnenstrichs an. Molly segelte zunächst mit 4 bis 5 Knoten über Grund. Und das, obwohl ich nur als Vorsegel die Fock angeschlagen hatte. Später, als der Tidenstrom uns mit sich nahm, waren auch mal 8 Knoten drin. Im nächsten Jahr kommt die Genua ans Vorstag. Da geht noch was, ich bin mir sicher.

Ein unbeschreibliches Glücksgefühl kam in mir auf. Das war genau das, wovon ich so lange geträumt hatte. Eine angenehme Stille, nur unterbrochen durch Wind- und Wellengeräuschen umhüllte mich auf meinem Boot. Ich saugte diese Stimmung förmlich in mich auf. Dies war die erste Fahrt auf eigenem Schiff! Fantastisch!!!

Nach einiger Zeit schaute ich zurück zur Gitano von Gerd. Sie war deutlich zurück gefallen. Ich entschloss mich zu wenden und Gerd entgegen zu fahren. Wir hatten vorher verabredet, uns gegenseitig zu fotografieren. Denn wer kann schon – ohne Drohne – Fotos vom eigenen Schiff machen, während man darauf segelt? Ich zückte also mein Handy und machte ein paar Aufnahmen von Gitano, während ich an ihr vorbei segelte. Gerd machte ebenfalls einige Aufnahmen von meinem Schiff. Dieses Spiel wiederholte sich nun öfters, während wir in nördlicher Richtung außerhalb des Fahrwassers die Jade seewärts fuhren.

Der Kurs führte uns entlang der Tankerbrücken des Ölhafens, der langen Kaimauer des Jade-Weser-Ports, Hooksiel, Horumersiel und Schillig bis zur Tonne 26, die bereits in der Nähe der relativ jungen Insel Minsener Oog liegt. Ein Blick auf die Uhr sagte uns, dass wir dringend umdrehen mussten, um rechtzeitig zum Schleusen wieder in Wilhelmshaven zu sein. Bei genauer Rechnung stellte sich sogar heraus, dass wir ohne Motor nicht pünktlich sein würden, da die Tide erst in zwei Stunden kippt und wir diese Zeit gegen den Strom segeln müssen.

Also Motor an und anschieben bis zu einer Geschwindigkeit von 5 Knoten über Grund. Molly machte das ohne Murren. Auch hier blieb Gitano schon nach kurzer Zeit deutlich im Kielwasser zurück. Nach gut einer Stunde Motoren merkte ich dass der Gegenstrom langsam weniger wurde. Ich konnte den Motor ausschalten und hielt eine Geschwindigkeit von 4 bis 5 Knoten. Das würde reichen, um pünktlich zum Schleusen im Hafen zu sein.

Zwei Meilen vor dem Hafen rief ich über UKW-Funk die Schleuse, hatte jedoch die falsche Frequenz eingestellt. Eine etwas mürrische Antwort machte mich darauf aufmerksam. Nach dem Wechsel auf die richtige Frequenz erfuhr ich, dass die Schleusung nicht um 15.30 Uhr sondern erst um 16.00 Uhr. Das gab Luft, noch weiter Wenden und Halsen zu fahren und dann pünktlich die Segel zu bergen und unter Motor in die Schleuse einzulaufen. Dabei begleitete uns die Wasserschutzpolizei, die freundlich grüßte, aber sonst kein größeres Interesse an uns zeigte. Muss ja auch nicht sein.

Das Schleusen selber dauerte etwas über eine Stunde. Warum? Keine Ahnung. Der Wasserstand war rasch ausgeglichen. Aber das Binnentor blieb zu. Wir machten uns schon Sorgen, dass die KW-Brücke nicht mehr aufmachen würde. Und als Gerd nach der Öffnung des Schleusentores beim Brückenwärter anrief, meinte der nur „Hebel auf den Tisch!“. Mit anderen Worten: „Mach hinne!“.

Das machten wir dann auch, denn auch wir wollten nun langsam am Liegeplatz festmachen. Witzig dabei war, dass unsere Brückendurchfahrt zufällig von jemandem gefilmt, und bei Facebook in die Gruppe „Wenn Du Wilhelmshaven kennst…“ gepostet wurde. So konnten wir unsere Ankunft abends noch einmal „von außen“ betrachten.

Ich bin unendlich froh, dass ich es nun doch noch geschafft habe, die Saison mit dieser einen Ausfahrt beschließen zu können. Und sie macht Mut für die kommende Saison. Schließlich sollen im kommenden Jahr deutlich mehr Meilen auf der Logge registriert werden. Das Wetter hielt, es gab trotz dicker, tief ziehender Wolken keinen Regen. Der Wind blies mit einer stetigen 4, manchmal etwas böig. Es war ein perfekter Tag. Ich bin glücklich. Nun kann der Krantermin kommen.

Herbsturlaub an Bord

Mann, was hatte ich diesen Urlaub herbeigesehnt. Und dann war es plötzlich so weit. Nicht zu fassen, aber ich brauchte tatsächlich einen Stubser meines Kollegen, um zu akzeptieren, dass ich nicht alles fertig bekommen würde. Der Urlaub begann an einem Freitag. Eine gute Entscheidung. Das brachte mir einen freien Tag, wo ich gefühlsmäßig noch arbeiten wollte.

Klasse, wenn man sich noch einmal umdrehen kann, wenn eigentlich der Wecker klingelt. Erwartungsgemäß wurde ich zur gewohnten Zeit wach. Nach einer anfänglichen kleinen Orientierungslosigkeit wuchs in mir die Erkenntnis, dass ich nicht aufstehen muss. Ein wirklich geniales Gefühl! Also, rasch wieder in die Decke gekuschelt und nochmal zwei Stunden dran gehängt.

Inzwischen bin ich bereits sechs Tage an Bord der Molly. Die Bundestagswahl am vergangenen Sonntag ist für mich inzwischen schon wieder in weite Ferne gerückt. Es ist der Samstag danach. Die vergangene Woche war, vermutlich gerade, weil so wenig passierte, für mich die pure Erholung. Das Wetter machte mir allerdings jeden Tag aufs Neue einen dicken Strich durch die Rechnung, evtl. doch noch in diesem Jahr meine erste Ausfahrt auf die Jade zu schaffen.

Gerade gestern, Freitag, standen von den Wetterdaten alle Zeichen auf grün. Der Nebel, der mir tags zuvor die Ausfahrt versperrte, sollte weg sein. War er aber nicht. Ich hatte mir extra den Wecker gestellt. 6.45 Uhrstand ich auf. Mein erster Blick ging aus dem Kajütschott achteraus. Das Hotel Atlantic sollte dort eigentlich im Hintergrund zu sehen sein. Aber trotz angestrengter Suche konnte ich zwar die Solveig am Kopf des Nachbarsteges erkennen, aber das Hotel war weg. Wieder weg, da es am Morgen davor schon genau so gewesen war. Aber natürlich nur „weg“ im Sinne von „nicht zu sehen“.

Nun also wieder Nebel. Das Warten begann. Immer wieder schickte ich einen prüfenden Blick in Richtung der Kaiser-Wilhelm-Brücke, die in 0,6 Seemeilen Entfernung liegt.

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Aber dort war nur eine undurchdringliche weiße Wand zu sehen. Erst gegen zehn Uhr hob sich die Brücke schemenhaft aus dem Nebel hervor. Es reichte aber bei weitem nicht zum Auslaufen. Um es kurz zu machen: Der Nebel lichtete sich erst gegen kurz nach 13 Uhr. Zu spät, um noch aus dem Hafen zu kommen. Denn dafür braucht man hier wegen der schon erwähnten KW-Brücke, die für die Passage mit einem Segelschiff erst geöffnet werden muss, und der anschließenden Fahrt durch die Seeschleuse gut eine Stunde Zeit. Da aber bereits um 15 Uhr wieder binnenwärts geschleust wird, bleibt man besser gleich im Hafen.

Eine kleine Entschädigung gab es am Abend, als um 21 Uhr ein gut zehnminütiges Höhenfeuerwerk über Wilhelmshafen abgebrannt wurde. Da lässt sich die Stadt Wilhelmshaven wirklich nicht lumpen, obwohl sie finanziell bestimmt nicht gerade gut da steht. Dennoch war die Enttäuschung über die verpasste Gelegenheit riesengroß.

Samstag, der 30. September, begann wieder mit dem schon obligatorischen Blick achteraus. Die Solveig war gut zu sehen, auch das Hotel dahinter. Aber sobald mein Blick Richtung Steuerbord auf die Brücke gerichtet war, wusste ich, das wird heute wieder nichts. Schon wieder nur eine knappe halbe Seemeile Sicht. Der Dunst verzog sich dieses Mal schneller. Doch dafür war der Wind total eingeschlafen. Mit Jörg, der mit seinen Kindern in der Marina das Wochenende verbringt,  gehe ich Brötchen holen. Als wir zurück in der Marina waren, ist der Bonte-Kai wie leer gefegt. Alle Schiffe sind zur Regatta aufgebrochen. Wir wollten nach dem Frühstück den leeren Hafen zum Segeln nutzen, aber es stellte sich kein Wind ein. Ich hisste die Segel am Steg. Aber sie hingen schlaff und füllten sich kein bisschen. So widmete ich mich dem Studium des Einleinen-Reffsystems der Delanta, wobei ich gleich merkte, dass das Großsegel mit seinen beiden Holepunkten für die Reffleine nicht optimal ausgestattet war. Eigentlich müsste es lt. Beschreibung noch zwei weitere Punkte besitzen, damit es sauber auf den Baum niedergeholt, und dort fixiert werden kann.

Nach dieser Inspektion zog sich der Himmel zu und verfinsterte sich zusehens. Dennoch wollten wir um 17 Uhr das Einlaufen der Groß- und Traditionssegler nicht verpassen. Mit Regenjacke vermeindlich gut ausgestattet, gingen wir los. Aber kaum waren wir über die KW-Brücke hinweg, öffnete der Himmel seine Schleusen. Wir ließen uns die Laune jedoch nicht verderben und steuerten den nächstbesten Imbisstand an. Hie kaufte ich das wohl schlechteste Fischbrötchen der Saison. Und auch Gerd und Beate konnten nicht fassen, was uns dort für sage und schreibe 4,50 € überreicht wurde. Eigentlich hätten wir es gleich zurück geben sollen, doch unsere gute Erziehung stand uns hier eindeutig im Weg.

Dazu kam, dass wir von Minute zu Minute nasser wurden. Das Problem war nicht die Regenjacke, sondern vielmehr die Hose und die Schuhe. Alles war binnen kurzem durchnässt. Und so entschlossen wir uns nach einer Portion Gemüse-Nudel-Pfanne und einem Bier, den Heimweg in Richtung eigenes Boot anzutreten. Und das war auch gut so! Dort angekommen, bemerkte ich, dass durch den Spalt zwischen den beiden Schottbrettern Regenwasser in den Salon von Molly eingedrungen war. Nachdem ich mich zunächst aus den vollkommen durchnässten Sachen geschält hatte, und diese in den Trockenschrank der Delanta gehängt hatte, widmete ich mich dem Wasserschaden. Zunächst brachte ich eine Plane von außen auf die beiden Schottbretter auf und fixierte sie mit Klebeband. So war der „Wassereinbruch“ gestoppt. Allerdings war der Teppich im Salon deutlich feucht geworden, so dass ich nun doch den Heizlüfter hervorholte und einschaltete. Und so liege ich nun auf dem Rundsofa und schreibe diese Zeilen, während das Feuchte langsam wieder trocken wird. Unterdessen hat es sogar wieder aufgehört, zu regnen.

Am nächsten Morgen wollte ich unbedingt etwas gegen zukünftigen Wassereinbruch durch Starkregen tun. Ich erinnerte mich daran, bei Übernahme des Schiffs in den Staufächern unter dem Rundsofa im Salon eine weiße Plastikplane gesehen zu haben. Diese haben ich nun heraus geholt, über den Baum gelegt, und mit Spanngummis an den Relingdrähten und -stützen  so befestigt, dass sie einen hervorragenden Schutz gegen Regen, aber auch Sonne für den Eingangsbereich meiner Hauptkajüte bildet. Zusätzlich habe ich mit Klebeband an der Nahtstelle der beiden Schottbretter eine Art Regenabweiser gebastelt, so dass herablaufendes Wasser vom Schott abtropft, statt in den Spalt zwischen den Brettern gezogen zu werden. Ich bin gespannt auf meinen nächsten Besuch bei Molly.

Mit meinem Stegnachbarn Siegfried unterhielt ich mich über den bevorstehenden Krantermin. Er gab mir wertvolle Tipps bezüglich meines Diesel-Motors. Molly besitzt einen Farymann Einbaudiesel mit einer Einkreis-Seewasserkühlung. Dieser Motor will nach dem Auskranen vernünftig winterfest gemacht werden. Wie ich das machen werde, schreibe ich hier in einem weiteren Beitrag über das Winterlager.

Vor meiner Abreise in Richtung Heimat verabredete ich mich mit Gerd, einem weiteren Stegnachbarn, am letzten Wochenende meines Urlaubs noch einmal zum Boot zu fahren, um dann die letzte Möglichkeit vor dem Winterlager für eine Ausfahrt auf die Jade zu nutzen. Hoffentlich klappt´s!

Endlich mal fahren

Am vergangenen Wochenende war ich erneut zur Molly gefahren. Der Windfinder sagte nichts gutes voraus. Wind um 7 bis 9 ist nicht gerade die Windstärke, bei der man sich mit seinem neuen Schiff anfreunden will. Da bleiben die Leinen fest und die Zeit wird mit Basteln und Müßiggang verbracht. So war meine Erwartungshaltung

Dann kam aber doch alles ganz anders. Zwar begann mein Wochenende bei strömendem Regen, wie nebenstehendes Foto zeigt, und stand durch den lang anhaltenden starken Nord-West auch noch eine hohe Welle in der Jade. So war an ein Auslaufen, für mich jedenfalls, nicht zu denken. Aber im Großen Hafen waren moderate Windverhältnisse. Von stürmisch kein Spur. Da aber Jade-Traffic über Funk stündlich eine Windwarnung brachte, war weiter Vorsicht angesagt.

Den Samstag verbrachte ich zunächst damit, die alte, brüchig gewordene Spüle aus der Pantry gegen eine neue Spüle zu tauschen. Diese hatte ich bereits zu Hause passend gesägt und mit Bohrlöchern für die Verschraubung versehen. Nun musste ich sie nur noch von unten gegen die Tischplatte schrauben, so dass sie korrekt in der Öffnung nach oben zentriert war. Das gestaltete sich recht kniffelig, da der Platz im Unterschrank für meinen Kopf und den Schraubendreher nicht gerade üppig bemessen war. Aber nach etlichem Fluchen, einem verrenkten Hals und ein paar blauen Flecken saß die Spüle fest an Ort und Stelle. nun musste sie nur noch mit transparentem Dichtungskleber am Holz abgedichtet werden. Das war dann auch rasch erledigt, und so konnte ich die Trocknungszeit zu einem Ausflug in die Wilhelmshavener Innenstadt nutzen, den ich zusammen mit Christian und seiner Familie unternahm.

Dort war an diesem Wochenende wieder das StreetArt Festival. Hier kommen Straßenmaler aus aller Herren Länder zusammen und malen um die Wette. Dabei entstehen beeindruckende, aber vergängliche Kunstwerke, die z. T. dreidimensional angelegt sind und von einem bestimmten Punkt aus betrachtet verblüffend räumlich wirken. Da scheinen Figuren, die auf das Pflaster der Straße gemalt wurden, auf dieser zu stehen und sogar einen Schatten zu werfen. Der Klingone Spok würde die Augenbraue hoch ziehen und „Faszinierend!“ ausrufen.

Zurück in Richtung Marina kamen wir bei dem zweiten Groß-Event des Tages vorbei, dem Wilhelmshavener Bierfest am Pumpwerk. Auch hier konnte man große Augen machen ob der Vielfalt des Angebotes. Die Verlockung war groß, alles zu probieren. Aber glücklicher Weise waren die Preise doch so angelegt, dass eine Massenverkostung eher nicht in Frage kam. So blieb es bei einem perfekt gekühlten dunklen Hefeweizen aus einer bekannten Bayerischen Klosterbrauerei.

Der nächste Morgen begrüßte mich beim Blick aus der Kajüte mit einem wunderschönen Regenbogen bei fast blauem Himmel. Der Wind war zunächst komplett weg, kam dann im Laufe des Morgens jedoch wieder. Es blieb bei einer gemäßigten 3 bis 4 im Hafen. Perfekt, um endlich mal die Leinen los zu werfen und ein paar Runden durch den Großen Hafen zu drehen. Dabei nahm ich meine Kamera mit, um auch gleich ein paar Fotos von der am Bontekai liegenden Mircea zu machen. Die Drei-Mast-Bark ist ein Schwesterschiff des deutschen Segelschulschiffs der Marine, Gorch Fock, die derzeit runderneuert wird.

Der Diesel lief wie ein Uhrwerk. Vorwärts, rückwärts, Leerlauf, Drehen auf engem Raum, all das konnte ich nun endlich mal ein wenig ausprobieren. Dabei merkte ich rasch, dass Molly doch sehr windanfällig ist, sobald sie keine Fahrt durchs Wasser macht. Da werde ich noch einige Übungsfahrten brauchen, um sie richtig einschätzen zu können.

Nach gut einer Stunde Fahrt stiegt Christian bei einer Vorbeifahrt am Steg zu, und wir rollten die Fock aus und stellten den Motor ab. Molly brauchte nicht lange, um nur unter Vorsegel auf gut drei Knoten zu beschleunigen. In einem Windkorridor, der vom Banter See herüber wehte, wurde es auch noch leicht schneller, so dass das Wenden gut funktionierte. Allerdings hatten wir auch so manchen Fehlversuch, bei dem der Schwung nicht ausreichte, durch den Wind zu kommen. Also neuer Anlauf und noch mal. Dieses Mal klappte es. Die fehlende Fahrt durchs Wasser lies dann jedoch das Ruder wirkungslos werden, so dass Molly durch das Vorsegel getrieben weit abfiel. Erst, als das Schiff wieder Fahrt durchs Wasser machte, setzte die Ruderwirkung ein und wir konnten wieder anluven.

Fazit: Es macht unheimlich viel Spaß, die Molly zu segeln. Und wenn beim nächsten Mal das Großsegel dazu kommt, klappte es bestimmt auch mit den Manövern besser. Der Anfang ist jedenfalls gemacht, und ich freue mich auf die nächsten Fahrten im Hafen, oder vielleicht demnächst auch davor auf der Jade!

Kraftstoffleitungen sind wieder dicht

Nachdem ich nun länger nichts mehr hier auf Mollies Blog geschrieben habe, denke ich, es ist Zeit für ein Update.

In meinem letzten Beitrag schrieb ich über die tropfenden Kraftstoffleitungen von Mollies Motor. Das waren offenbar ziemlich alte, mit Stoff ummantelte Kunststoffleitungen, die im Laufe der Jahre einfach mürbe geworden sind. Natürlicher Verschleiß, wie Bert, der Marina-Inhaber mir bestätigte. Der Austausch der Leitungen war rasch vereinbart. Und als ich am vergangenen Wochenende wieder am Schiff war, glänzten mir nagelneue Benzinleitungen aus dem Motorraum entgegen. Auch minutenlanges Probelaufen des Motors konnte keinen Tropfen Diesel zu Tage treten lassen. Well done, Marina Cramer!

Ebenfalls konnte das Marina-Team die Motor-Elektrik wieder richtig anschließen. Als ich das Schiff übernahm, konnte ich lediglich mit dem Batterie-Hauptschalter den Strom im Schiff einschalten. Allerdingst stand dann auch gleich die ganze Motorelektrik unter Strom, was nicht im Sinne des Erfinders war. Nach dem korrigierenden Eingriff habe ich nun einen neuen Hauptschalter, und auch wieder funktionierende Schalter für die Motorelektrik und die Motorraum-Entlüftung. Was für eine Wohltat, nun die Antriebstechnik wieder einsatzklar zu wissen.

Zwei Dinge verbleiben auf der ToDo-Liste für das Marina-Team:

  1. Reparatur der Tankanzeige. Diese bleibt nach Einschalten der Motor-Elektrik auf „Halbvoll“ stehen, obwohl der Tank bis zum Überlaufen gefüllt ist. Das ist nicht nur blöd, sondern auch unzuverlässig.
  2. Ein NMEA2000-Netzwerkanschluss von Funkgerät und Kartenplotter, damit das Funkgerät mit GPS-Daten des Plotters versorgt wird, und umgekehrt die AIS-Daten des Funkgerätes auf dem Plotter-Display angezeigt werden.

Um diese beiden Punkte will sich die Marina in den nächsten Tagen kümmern. Dann hoffe ich sehr, dass damit alle wichtigen Punkte abgearbeitet sind, die ich mir nicht selber zutraue, und dass dem ersten richtigen Ablegen und Auslaufen von Molly nichts mehr im Wege steht. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Davon schreibe ich dann demnächst.

Zwei lange Wochenenden mit Fort- und Rückschritten

Der Mai ist ein toller Monat, gespickt mit Feiertagen, die Brückentage nach sich ziehen. Wenn dann noch ein paar Urlaubstage geschickt eingestreut werden, ergibt das eine gute Gelegenheit, auch für ein paar Tage an Mollies ToDo-Liste zu arbeiten. Dafür stand mir die Woche nach Pfingsten, sowie das lange Wochenende nach Fronleichnam zur Verfügung.

Zunächst machte mir jedoch ein kräftiges Sturmtief einen Strich durch die Rechnung, direkt nach Pfingsten schon nach Wilhelmshaven zu fahren. Wegen Starkwind bis Stärke 9 entschloss ich mich, erst am Donnerstag zu fahren.

Das Auto voll gepackt mit vielen neuen Ausrüstungsgegenständen machte ich mich auf den Weg. Das Wetter wurde dabei mit jedem gefahrenen Kilometer in Richtung Norden immer schlechter. In der Marina angekommen, machte ich mich sogleich daran, die Ausrüstung auf das Boot zu bringen. Da Molly jedoch ganz am Ende des Steges liegt, war das ein ewiges Hin und Her, immer wieder durch kräftige Regenschauer unterbrochen. Beim zweiten Weg zum Boot begrüßte mich im Hafenbecken unweit von Molly ein Seehund, der neugierig seinen Kopf aus dem Wasser streckte. Die Zeit reichte gerade für ein unscharfes Foto mit dem Hand, bevor er abtauchte und verschwand.

Schließlich war es aber dann doch geschafft, der Kofferraum im Auto war leer, und ich legte eine kleine Pause ein, in der ich überlegte, in welcher Reihenfolge ich meine Punkte abarbeiten wollte. Schließlich entschied ich mich dann doch für die spontane Variante. So schnappte ich mir zunächst den neuen Kompass und packte ihn aus. Der alte Kompass war rasch abgeschraubt und die elektrischen Verbindungen getrennt. Ich krimpte neue Verbinder an das Stromkabel und den neuen Kompass, verband beides und schraubte den Kompass wieder an seinen Platz auf der Steuersäule. Abends, als das Licht schwand, merkte ich, dass die Beleuchtung nicht funktionierte.

Mist! Für heute war Feierabend. Die Ausbesserung konnte ich erst wieder bei Licht in Angriff nehmen. So ging ich nun zunächst zum gemütlichen Teil über, nahm mir ein Handbuch und vertiefte mich darin.

Am nächsten Morgen schnappte ich mir also wieder den Schraubendreher und machte mich erneut ans Werk. Die gekrimpten Verbindungen schienen den Strom nicht durchzuleiten. Also abkneifen, und neu machen. Das Ergebnis konnte ich erneut erst wieder zuverlässig am Abend nach Sonnenuntergang überprüfen. Dieses Mal war aber alles in Ordnung. Die Kompassrose schimmerte im schönsten Rot.

Als nächstes kam das Ladegerät dran, dass ich für die Stromversorgung an Bord gekauft hatte. Andreas, ein befreundeter Elektriker, hatte mir entsprechende Kabel vorbereitet. Dabei war jedoch ein Kabelende mit dem falschen Schuh ausgestattet. Das Abkneifen war schnell erledigt, um dann aber zu merken, dass ich das am falschen Kabel getan hatte.

Wieder Mist! Nur gut, dass Christian, der Eigner der Moby Dick, die ebenfalls in der Marina liegt, an dem Tag auch vor Ort war. Er konnte mir mit einem Kabelschuh mit passendem Ringverbinder aushelfen, den ich an das abgekniffene Kabel quetschte. Nach einigem Hin und Her passte alles und das Ladegerät nahm seine Arbeit auf. Es läuft perfekt!

In der Zwischenzeit hatte ich mit dem Marina-Inhaber abgesprochen, dass sein Mechaniker Alexander die Decksverbindung meines Funkantennenkabels neu machen sollte. Der Stecker vom Mastkabel war abgesammelt, da mein Vorgänger in Ermangelung eines Funkzeugnisses kein Funkgerät an Bord hatte. Aber die Zeit verging und kam zum Ende, ohne dass die Verbindung gemacht wurde. So wurde ausgemacht, meinen nächsten Aufenthalt zu Fronleichnam dafür zu nutzen. Fürs erste ging es wieder nach Hause, da drei Tage Arbeit anstanden.

Mittwoch vor Fronleichnam packte ich direkt nach der Arbeit wieder meine „sieben Sachen“ und machte mich auf den Weg. Oben angekommen, meldete ich mich sogleich wieder beim Marina-Inhaber und er gab Alexander den Auftrag, sich um die Funkantenne zu kümmern.

Natürlich ging auch das nicht reibungslos über die Bühne. Beim Vorbereiten des Lötkolbens geriet das Mittelteil des vom Kabel gelösten Verbinders ins Rollen und plumpste ins rund neun Meter tiefe Hafenbecken. Da war es nur gut, das Alexander in seinem Lager noch ein passendes Teil fand und einbauen konnte. Dann war der Moment gekommen, das Funkgerät einzuschalten. Ein Test mit einem Handsprechfunkgerät brachte dann zu tage, dass alles perfekt funktionierte. Auch die AIS-Signale kamen herein und konnten auf dem Display des Funkgerätes angezeigt werden.

Irgendwie kann ich aber bei Molly keinen Punkt von der ToDo-Liste abarbeiten, ohne einen neuen aufzuschreiben. So kam es, dass beim Anlassen des Motors die Kraftstoffleitungen vom Tank zum Motor und wieder zurück anfingen, heftig zu tropfen. Rasch roch das ganze Schiff nach Diesel. So konnte ich also wieder nicht die noch verbleibende Zeit nutzen, und Ab- und Anlegemanöver zu üben. Der Motor blieb aus, damit es im Schiff nicht noch mehr nach Diesel roch. Mit dem Marina-Inhaber wurde vereinbart, dass er in den kommenden Wochen die Spritleitungen von Molly komplett austauscht, damit ich hoffentlich wieder ein dichtes Kraftstoffsystem habe und endlich mal ablegen kann.

Die restliche Zeit verbrachte ich damit, das Handbuch vom Funkgerät zu studieren und einige kleinere Punkte von der Liste zu erledigen. Eine Ballonfiesta, die in Sichtweite des Liegeplatzes stattfand, brachte ebenfalls Kurzweil. Abends besuchten wir dann auch das beeindruckende Ballonglühen, bei dem die Ballonhüllen im Dunkeln durch die Brenner hell erleuchtet werden. Dazu spielte passende Musik und verbreitete ein tolle Stimmung auf dem Platz.

Nun bin ich wieder zu Hause und hoffe, dass ich bald wieder ein freies Wochenende finde, an dem ich zur Molly fahren kann. Und ich hoffe natürlich auch, dass dann die leckenden Leitungen dicht sind und ich meine ersten Fahrten in Angriff nehmen kann.

Ein neuer Kompass für Molly

Kompass mit Milchglaskugel – kein schöner Anblick, und nutzlos zugleich.

Bei Übernahme der Molly hatte ich mir bereits einen neuen Kompass auf die Einkaufsliste gesetzt. Einige Stegnachbarn meinten zwar, das brauche man doch in Zeiten von GPS nicht mehr, doch ich bin hier grundlegend anderer Meinung.

Ein Kompass gehört in meinen Augen unbedingt auf ein Boot. Und zwar einer, der von Strom und Satelitenempfang unabhängig funktioniert, wenn man mal von der nächtlichen Beleuchtung absieht. Damit will ich die elektronische Navigation nicht generell verdammen. Aber eine sichere Alternative bei Ausfall der modernen Technik sollte immer mit an Bord sein. Molly hat mit ihrer Radsteuerung den idealen Platz für einen Kompass auf dem Top der Steuersäule. Aber, wie auf dem Bild oben zu sehen, hatte dieser sich im Laufe der Jahre, vermutlich durch Sonneneinstrahlung, unsichtbar gemacht. Dem Vorbesitzer machte das offenbar nichts aus. Mich aber störte schon alleine der Anblick dieser kaputten Glaskugel.

Der neue Kompass wartet noch auf den Einbau

Zunächst schaute ich bei den einschlägigen Versandhäusern nach einem passenden Modell. Allerdings konnte mir niemand versichern, dass das in Betracht kommende Teil auch wirklich auf die Steuersäule passt. Bis ich beim D-Marina-Team in Oldenburg i.H. fündig wurde. Dort gibt es tatsächlich noch eine lange Ersatzteilliste für jeden einst bei Dehler gebauten Bootstyp, und damit auch für meine Molly. Das gute Stück war preislich nicht gerade ein Schnapper, aber auf einem Klassiker, wie die Delanta in meinen Augen einer ist, sollte schon alles irgendwie passen. Und dabei spielt die Optik eine nicht unerhebliche Rolle. Ich freue mich jedenfalls schon auf den Moment, wo ich die letzte Schraube fest ziehe und der Kompass auf Molly seine Arbeit aufnehmen kann.

Übernahme der „Molly“ vom Vorbesitzer

Ungeduldig wartete ich seit dem Kauf der Molly auf die tatsächliche Übergabe des Schiffs. Am Wochenende vom 29.04.2017 auf den 01.05.2017 war es endlich soweit. Samstag packte ich Werkzeug, Segelsachen und etwas zu essen ins Auto und fuhr nach Wilhelmshaven. Dort angekommen rief ich Andreas, den Vorbesitzer an und verabredete mich zur Übergabe. Molly war bereits am Freitag ins Wasser gekommen und lag wartend am Steg des HSYC Wilhelmshaven. Gemeinsam mit Andreas und seiner Frau Anja holte ich den Mast aus dem Mastlager um ihn mit dem Hochdruckreiniger vom Schmutz des Winters zu befreien. Die eine Seite des Mastes durch Andreas, die andere Seite durch mich.

Molly, noch ohne Mast, wartet auf mich

Dann kamen noch weitere Clubmitglieder des HSYC hinzu und wir hoben den Mast aufs Schiff. Danach kam der Moment, wo ich das erste Mal den Diesel von Molly starten durfte. Nach ein paar wenigen Umdrehungen hatte der Starter seinen Dienst getan und der Motor lief. Nach kurzer Warmlaufphase legte Andreas vom Steg ab und übergab mir anschließend das Ruder. Nun ging es durch den Binnenhafen hinüber zum Yachtclub Wilhelmshaven, der einen eigenen Mastkran besitzt.

Gemeinsam mit Andreas und weiteren helfenden Händen wurde nun der Mast gestellt und die Takelage befestigt. Dabei verhakte sich, während der Mast angekoben wurde, ein Wantenspanner unter der Bugklampe und verbog sich. Glücklicherweise hatte Andreas noch einen Spanner, dessen intaktes Unterteil wir gegen das verbogene tauschen konnten.

Aufgeriggt liegt Molly am Steg der Marina Cramer.

Als der Mast sicher stand, legten wir vom Steg des YCW ab und fuhren keine 50 Meter weiter zum Steg der Marina Cramer, wo ich einen Liegeplatz gemietet habe. Dort erledigte Andreas nach dem Festmachen letzte Arbeiten und zeigte mir dadurch noch den ein oder anderen Kniff im Umgang mit meiner Delanta.

Dann verabschiedete er sich und ich war alleine mit meinem neuen Schiff. Ein unglaublich gutes Gefühl überkam mich. Allerdings war mir auch klar, das dies der Anfang von viel Arbeit sein würde. Und so begann ich damit, das Schiff von vorne bis hinten zu inspizieren und mir alles zu notieren und zu fotografieren, was mir auffiel, was erneuert werden muss.

Die wohnliche Hauptkajüte bei abendlicher Beleuchtung.

Gerade noch rechtzeitig fiel mir dabei auf, dass das Stromkabel, welches Andreas zunächst an Bord gelassen hatte, zu kurz war, um damit die Batterien in der Achterkajüte zu laden. Rasch setzte ich mich ins Auto und fuhr zu einem Baumarkt. Dort kaufte ich um fünf Minuten vor Feierabend ein 20 Meter langes Stromkabel mit Schuko-Anschlüssen sowie einen Eurostecker-Adapter. Erleichtert schloss ich das Kabel am Stromkasten an und wunderte mich, dass an Bord kein Strom ankam. Das kann doch nicht wahr sein, dachte ich und machte mich auf die Suche.

Einige Zeit später traf ich meinen Stegnachbarn Siegfried, der eine Motoryacht fährt. Er sagte mir, dass, sobald mein Kabel im Verteiler eingesteckt ist, der Schutzschalter auslöst. Wir testeten hin und her und kamen schließlich zu der Erkenntnis, dass der Eurostecker-Adapter defekt sein musste. Gut, dass Andreas auch einen solchen Adapter mit an Bord gelassen hatte. So konnte ich das restliche Wochenende wenigstens bei Licht auf dem Schiff wohnen und meine Kühlbox konnte ebenfalls ihrer Aufgabe nachkommen und die mitgebrachten Lebensmittel kühlen.

Der Kartenplotter zeigt passend meine Position im Hafenbecken.

Als die beiden Batterien ebenfalls voll geladen waren, nahm ich mir den Kartenplotter vor, den ich zusammen mit dem Schiff erstanden hatte, ein AdvanSea T.56. Ich schloss ihn an den Bordstrom an und startete ihn. Kurz darauf sah ich mich auf dem Display im Becken des Binnenhafens liegen. Das Kartenmaterial im C-Map MAX Format stammt aus dem Jahr 2012 und landete daher auch sofort auf meiner Einkaufsliste.

Meine Hoffnung, mit Molly noch an diesem Wochenende ein paar An- und Ablegeübungen zu fahren, wurden vom starken Wind, der zunächst aus NO, später dann genau aus der entgegengesetzten Richtung in Stäre 5 bis 7 kam, im wahrsten Sinne des Wortes „verweht“. So blieb Molly am Steg und ich kämpfte mich weiter durch die Technik.

Das automatische Ladegerät zum gleichzeitigen Laden beider Bordbatterien lieferte keinen Ladestrom. Das hatte mir Andreas schon bei den Kaufgesprächen gesagt. Ich baute es aus und zeigte es Alexander, dem Schiffsmechaniker der Marina. Nach kurzem Messen stand fest, das Ding war kaputt und so hatte ich auch ein neues Ladegerät auf der Einkaufsliste stehen.Die beiden Nächte schlief ich abwechselnd einmal in der Hauptkajüte, wo zunächst der Rundtisch herabgelassen werden muss und einmal in einer der Kojen in der Heckkajüte. Letztere war eindeutig die lautere und unbequemere, so dass ich vermutlich die weiteren Nächte eher den Umbau der Hauptkajüte in Kauf nehme, dafür aber deutlich besser liegen kann.

Bei aller Arbeit, die ich an den Tagen hatte, konnte ich aber auch die Füße hochlegen und einfach mal das kalte und windige, aber dennoch sonnige Wetter genießen. Und so ging die Zeit an Bord schnell aber gut genutzt zu Ende. Bevor ich mich jedoch auf den Weg in Richtung Autobahn machte, schaute ich noch kurz am Bontekai vorbei, wo dir „Mir“, ein russischer Dreimaster festgemacht hatte.

Das russische Vollschiff „Mir“ am Bontekai.

Dieses imposante Schiff war mir schon das ganze Wochenende aufgefallen. Ich erfuhr von Hartwig, einem Stegnachbarn, dass die „Mir“ und Wilhelmshaven eine Patenschaft verbindet und sie daher öfters zu Besuch kommt.

Und so ging mit einem maritimen Gruß aus Russland mein erstes Wochenende an Bord meiner ersten eigenen Yacht, meiner Molly, zu Ende. Ich habe eine lange Liste mit nach Hause genommen, die ich nun so gut es geht abarbeiten muss. Der nächste Besuch an Bord wird leider erst in der Woche nach Pfingsten möglich sein. Ich kann es kaum erwarten!

 

Der Beginn

Es ist heute der 01. April 2017. Und dies ist kein April-Scherz!

Nein, vielmehr ist dies der Beginn meines Blogs über Molly, meine erste eigene Segelyacht. Fassen kann ich es eigentlich immer noch nicht. Gerade habe ich das Geld für Molly überwiesen. Ihre Kiellegung war bereits vor 38 Jahren. Aber ab heute bin ich nun ihr neuer Bootseigner. Ein Kindheitstraum wird wahr. Denn bereits als Jugendlicher fand ich diesen Bootstyp toll. Doch es brauchte noch viele Jahre, bis die Rahmenbedingungen passten und ich ein gutes Angebot fand.

Dies ist Molly, eine Delanta 80, ihr Heimathafen ist Wilhelmshaven

Sie heißt Molly. Den Schiffsnamen habe ich übernommen. Er gefällt mir, und abgesehen davon sollte man ein Schiff nicht umbenennen. Schließlich gibt es da ja die tollsten Geschichten…

Molly ist eine Delanta 80, ein GFK-Klassiker der 1970er Jahre. Gebaut wurde Molly 1979 von der Dehler-Werft von Willi und Heinz Dehler in Meschede-Feienohl. Anfangs ist sie, den Original-Unterlagen nach zu urteilen, in Holland gesegelt, bevor sie nach Deutschland, und irgendwann an den Vorbesitzer Andreas verkauft wurde.

Hier die wichtigsten Maße in der Übersicht:

Länge ü.a.:              8,00 m
Länge WL:              6,10 m
Breite:                      2,48 m
Tiefgang:                 1,25 m
Durchfahrthöhe:   12 m
Gewicht:                  2,4 t

Funkrufzeichen der Molly:

Schiffsname:        Molly
Rufzeichen:          DG9456
MMSI:                   211762010
ATIS-Kennung:   9211079456

Molly hat vier Schlafplätze, davon zwei in einer separaten Achterkajüte. Sollte einmal kein Wind wehen, oder aus anderen Gründen die Segel nicht gesetzt sein, sorgt ein 8-PS-1-Zylinder-Dieselmotor von Farymann für den nötigen Vortrieb.

Die Delanta 80 verfügt über eine Haupt- und eine Achterkajüte, dazwischen das Cockpit mit einer Radsteueranlage. Alle Fallen und Schoten sind ins Cockpit gelenkt, wodurch das Boot auch sehr gut einhand gefahren werden kann.

Das gemütliche Rundsofa in der Hauptkajüte

Die Hauptkajüte verfügt über eine Pantry an Backbord, einen Bad- und Toilettenschrank mit einem Schapp für Wetterkleidung an Steuerbord, sowie ein gemütliches Rundsofa mit einem höhenverstellbaren Tisch an der Maststütze. Das Sofa lässt sich mit wenigen Handgriffen in eine geräumige Doppelkoje verwandeln.

In der Achterkajüte mit sparatem Eingang befinden sich zwei weitere Kojen, sowie verschließbare Ablagefächer. Von dort gibt es seitlichen Zugang zum Motorraum und zu weiteren technischen Gerätschaften, wie die Batterien und das Ladegerät.

Die Delanta galt seiner Zeit als schnellste Serienyacht ihrer Klasse. Ich bin schon sehr gespannt auf die ersten kleineren Törns auf der Jade. Bis dahin wird noch gut ein Monat vergehen, da erst Ende April der Krantermin steht. Bis dahin steht sie in Wilhelmshaven an Land und wird noch poliert und das Unterwasserschiff mit Antifouling gestrichen. Diese Arbeiten übernimmt noch der sehr nette Verkäufer. Sobald sie im Wasser ist, wollen wir gemeinsam den Mast stellen und die Segel anschlagen. Und dann gibt es die Jungfernfahrt – zumindest für mich mit der Molly.